Er hilft Menschen, sich das Leben zu nehmen. Der Berliner Arzt Uwe-Christian Arnold (65) ist in der Sterbehilfe-Szene kein Unbekannter. Aber sein Geständnis sorgt bei Kritikern für größte Empörung: In 15 Jahren vermittelte er bis zu 200 Schwerkranken tödliche Arzneien – in Deutschland! Ist er ein Held oder ein Verbrecher? Sterbehilfe bleibt höchst umstritten.
Viele Patienten haben Krebs im Endstadium, sie plagen trotz Schmerz-Therapie schreckliche Qualen. Ärzte wie Arnold nutzen eine Grauzone: Beihilfe zum Suizid wird bei uns nicht bestraft, kann aber jederzeit den Verlust der Zulassung bedeuten. Uwe-Christian Arnold hilft Sterbewilligen trotzdem:„Es muss absehbar sein, dass das Leiden der Person nicht mehr zu ertragen ist.“
Bis zu 200 Menschen hat der Berliner Urologe schon das Sterben ermöglicht. Ohne Kontrolle, nach eigenem Ermessen. Mitten in Deutschland. So etwas hat vor Uwe-Christian Arnold noch kein Mediziner öffentlich zugegeben.
Der Arzt hält eine weiße Pillen-Dose in die Kamera der ARD-Sendung „Report Mainz“. Ob er dabei bleibt, wenn die Patienten sterben: „Das möchte ich nicht beantworten. Das ist, glaube ich, zu gefährlich.“ Aber ja, in Einzelfällen sei er schon dabei. Ein anderer Arzt würde es als seine moralische Pflicht ansehen, das Leben des Sterbenden zu retten. Arnold offenbar nicht.
Erst vor wenigen Tagen hat der Deutsche Ärztetag einen klaren, ablehnenden Beschluss zur Sterbehilfe gefasst: „Die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe.“ Dr. Frank Ulrich Montgomery, Chef der Bundesärztekammer, nennt die Sterbehilfe ein „vielleicht schmutziges Geschäft“. Aber Fakt ist: Immer wieder wünschen sich Schwerkranke nichts sehnlicher als einen schnellen, sanften Tod.
Christa Prange, Ingenieurin aus Berlin, litt an einer Gefäßmissbildung im Gehirn. Die 60-Jährige saß seit einer Operation mit Dauer-Schmerzen im Rollstuhl. Zwei Mal versuchte sich Prange selbst zu töten. Dann beschloss sie, in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Dort ist ärztliche Beihilfe zum Suizid stärker akzeptiert – wenn auch nicht generell straffrei wie in Deutschland. Christa Prange starb am 20. Juli 2006 in Zürich.
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In der Schweiz arbeitet etwa die umstrittene Sterbehilfe-Organisation Dignitas. Mit ihrer Unterstützung wollte 2007 auch Noel Martin (51), seit einem Angriff von Neonazis querschnittsgelähmt, aus dem Leben scheiden. Dafür hatte er Kontakt zu Uwe-Christian Arnold, damals Vize-Chef von Dignitate, dem deutschen Ableger von Dignitas. Am Ende sagte Noel Martin seine Schweiz-Reise jedoch kurzfristig ab. Er lebt noch heute. Dignitate entging so ein heftig debattierter, prominenter Fall.
Für Aufregung sorgte immer wieder Roger Kusch (56), einst CDU-Justizsenator in Hamburg. Er ließ einen Selbsttötungs-Automaten bauen, eine Perfusor-Pumpe zur Injektion von Medikamenten. Als „Sterbebegleiter“ kümmerte er sich etwa um den Berliner Thomas Wolff, der 20 Jahre an Multipler Sklerose litt.
Auch unter Prominenten gibt es entschiedene Befürworter der Sterbehilfe: So lobte Inge Meysel Holland, das als erster Staat die „aktive Sterbehilfe“ erlaubte. Seit 2002 dürfen Ärzte dort Schwerstkranken die Todesspritze verabreichen.
Uwe-Christian Arnold jedoch droht in Berlin eine Geldstrafe von einer halben Million Euro. Die Berliner Ärztekammer hat ihn verklagt, wirft ihm einen Verstoß gegen das Berufsrecht vor. Und seinen Fernsehauftritt vergleicht Präsident Dr. Günther Jonitz mit einem Bankräuber, der sich öffentlich mit seiner Tat brüstet.
MOW, SEY

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