Giuseppe M. (23) floh. Er wollte weg von fiesen U-Bahn-Schlägern. Doch er rannte in seiner Angst und Panik vor ein Auto. Eine tödliche Hetzjagd für den Ankläger. Ali T. (21) soll dafür verantwortlich sein. Mit einem Schläger-Komplizen steht er vor Gericht. T. will es nun auf „Mitschuld“ klein jammern.
Gedränge im Saal 500. Giuseppe M. war ein junger Koch, der sich stets für andere stark machte. Er hatte noch so viel vor im Leben, wollte zu den Gebirgsjägern der Bundeswehr, dann Politik studieren. Hunderte Freunde versammelten sich nach seinem Tod am U-Bahnhof Kaiserdamm zu einer Mahnwache.
Still saß Giuseppes Mutter Vaja (50) im Gerichtssaal. Ihr Sohn Velin (28) an ihrer Seite. Er sagt: „Wir versuchen, die Fassung zu wahren, geben uns gegenseitig Kraft.“ Sie wollen die Täter nicht in ihr Herz lassen, sprechen nicht von Wut, Rache. Aber eine Frage kreist im Kopf der Mutter: „Ich weiß nicht, warum das Schicksal nicht so gnädig war und meinem Giuseppe die zwei Sekunden gegeben hat.“
Der 17. September 2011. Es war 4.35 Uhr, als Giuseppe M. und Raoul S. (22) auf dem U-Bahnhof Kaiserdamm standen. Die beiden Freunde kamen von einem Treffen mit früheren Klassenkameraden. Kein Alkohol, aber gute Gespräche gab es.
Die Männer, die auf dem U-Bahnhof Zigaretten von ihnen schnorren wollten, waren ihnen fremd. Raoul S.: „Ihr Ton war aggressiv.“ Ali T. habe gedroht: „Ich ficke dich im Einzelkampf.“ Aber Giuseppe habe sich nicht provozieren lassen. Raoul S.: „Er reagierte nicht.“ Dann kam Baris B. (22), der Mitangeklagte. Er schlug zu, Ali T. gleich darauf. Zwei Schläger gegen Giuseppe M., dann wehrte er sich mit einem Schlag. Auch Raoul schlug einmal zu. Dann rannten sie weg.
Ali T. und Baris B. (22) wagen keinen Blick in Richtung der Mutter. Sie hatten sich nach dem Tod von Giuseppe M. zwar der Polizei gestellt, aber sich selbst als Opfer dargestellt: „Die anderen haben zuerst geschlagen.“ Jetzt gaben sie zu: „Wir hatten getrunken, uns wie alkoholisierte Idioten benommen.“ Ali T. über den tödlichen Ausgang: „Ich gebe mir eine Mitschuld.“
T. steht wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. B. nur als Schläger. Giuseppes Familie hofft: „Dass vom Prozess ein Zeichen für mehr Zivilcourage ausgeht.“ Fortsetzung: Montag. KE.

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