Montag, 30. Januar 2012
Gewalt-Drohungen

Ein Kiez in Angst vor dem linken Terror


Die Feuerspur des Terrors

1.00 Uhr: Dieser Lieferwagen wurde von den Chaoten in der Rigaer Straße angezündet, das Fahrzeug brannte vollständig aus.

Foto: Markus
Friedrichshain –  

„Terror“ steht ganz groß auf einem Plakat an einer mit Farben beschmierten Hauswand. Ein Jahr nach der Räumung des besetzten Hauses Nummer 14 in der Liebigstraße rüsten linke Autonome zur Schlacht um den Kiez. Nach den Brandanschlägen vom Wochenende (KURIER berichtete) hat ihr Hass einen neuen Höhepunkt erreicht. Jetzt drohen sie zum Räumungsjahrestag nicht nur Zugezogenen, sondern auch alteingesessenen Kiez-Bewohnern mit Gewalt.

Bislang richtete sich das Feindbild bei Teilen der autonomen Szene in erster Linie „gegen den Staat“ oder „die Bullen“. Doch jetzt blasen die verblendeten Fanatiker im Liebig-Kiez zum Angriff auf alles, was anders ist.

In Berlin explodieren die Mieten

1,2%

Charlottenburg-Wilmersdorf

Wohnungspreise in Berlin 2011

Friedrichshain-Kreuzberg

Preise pro Quadratmeter:

Einstiegspreis: 1733 Euro

Mittlerer Standardpreis: 2140 Euro

Spitzenpreis: 2649 Euro

Anzahl der Jahresnettoeinkommen: 6,7

Vom linken Terror angezündet: Feuerwehrleute löschen in der Rigaer Straße das brennende Auto eines Anwohners.
Vom linken Terror angezündet: Feuerwehrleute löschen in der Rigaer Straße das brennende Auto eines Anwohners.
Foto: Marcus

In einer Erklärung im Internet rechtfertigt eine Gruppe namens „Anti-Yuppie-Front“ zunächst die Angriffe auf das einst besetzte Haus in der Liebigstraße, in dem nun „normale“ Berliner leben. Wörtlich heißt es: „Nun ist das Haus vorerst bezogen und einige der neuen Mieter_innen haben noch keinen persönlichen Besuch bekommen. Keiner ist vergessen und wir werden schon noch anstoßen auf eure neue Nachbarschaft!“

Eine klare Drohung – denn an einer anderen Stelle brüsten sich die Autonomen damit, dass „einige Mieter_innen ihre Wagen, Roller, Scheiben, Dachziegel verloren (...), aber auch Geschenke bekamen in Form von Müll, Kot, Metall- und Glasprojektilen, Ziegelsteinen und Pflastersteinen ...“

Das sagen Bewohner

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An diesem Haus (Rigaer Straße) weht auf einem Banner ganz groß das Wort „Terror“. In der Nähe befindet sich das 2011 geräumte Haus Liebigstraße 14.
An diesem Haus (Rigaer Straße) weht auf einem Banner ganz groß das Wort „Terror“. In der Nähe befindet sich das 2011 geräumte Haus Liebigstraße 14.
Foto: Gudath

Und weiter: „Wir möchten darauf hinweisen, dass es nicht unbedingt schlau ist, sich als Zugezogene_r in einen über 20 Jahre alten Kampf einzumischen!“ Gemeint ist der in den Köpfen der Autonomen noch immer existierende Klassenkampf, bei dem vor allem gut verdienende Neu-Berliner als Todfeinde gelten.

Neu ist, dass auch angestammte Kiez-Bewohner bedroht werden, sollten sie es wagen, Polizisten beispielsweise bei der Jagd auf Autozündler Hinweise zu geben. In der Hass-Schrift heißt es dazu ganz deutlich: „Unterstützer_Innen der Behörden sei geraten, schnell den Wohnort zu wechseln! Auch anscheißen ist nicht! Wer in Ermittlungsakten bei Prozessen auftaucht, kann ebenfalls den Umzugswagen rufen!“ Einschüchterungsmethoden wie bei der Mafia!

Am Ende des Dokumentes finden sich schließlich Vor- und Nachnamen sowie die dazugehörigen Adressen von Hauseigentümern und Maklern. Direkt darunter hat ein Unterstützer der Autonomen den Hinweis zu einer Internetseite mit dem Titel „Anleitung zeitverzögerter Brandsatz“ gestellt.

Überall im Kiez kleben an Wänden Zettel, die zu sogenannten Protestaktionen am Donnerstag, dem Jahrestag der Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße, zu Aktionen aufrufen.

Aus Furcht vor immer neuen Randalen schweigen die Kiez-Bewohner darüber, wenn man sie zu den vergangenen und bevorstehenden Ereignissen befragt. Es scheint, dass sie aus Angst vor dem linken Terror im Kiez kapituliert haben.

„Ich kann doch nichts dagegen machen, wenn mein Auto angezündet wird“, sagt ein älterer Herr, der noch nicht einmal seinen Namen nennen will, seit 14 Jahren in Wurfweite des einst besetzten Hauses lebt. „Am besten man provoziert die Herrschaften nicht und geht ihnen aus dem Weg.“

Die Einschüchterungspolitik der gewaltbereiten Autonomen scheint im Kiez aufzugehen. „Wir haben doch keine Probleme“, hört man daher stets von den Anwohnern. Sie wollen es einfach nicht wahrhaben, dass man nun auch sie bedroht. „Ich finde es natürlich nicht schön, wenn man bei mir die Fenster einwerfen würde“, sagt Andrea Linde. „Aber der Kiez ist auch ein besonderes Reservat für Punks. Da muss man andere Formen des Wohnens tolerieren.“

Klar beklagt man sich auch über die Randalen, aber ganz zaghaft wie Rentner Dieter Wilhelm (71). „Der Kiez ist mit den sanierten Häuserfassaden auch schöner geworden“, sagt er. Aber genau dagegen richtet sich der Terror der linken Chaoten.

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