Als Strahle-Mann mit Doktorhut hat er sich für Mama und Papa fotografieren lassen. Der Hochstapler ließ nichts aus: Boris W. (36) bastelte sich ein Diplom, kaufte sich einen Doktortitel und fälschte als falscher Psychologe hemmungslos Gutachten für „Idiotentests“.
Vorm Richter ließ er die Schultern hängen, sprach mit weicher Stimme, jammerte: „Der Druck war so groß.“ Die Eltern! „Ich wurde in die Psychologie gedrückt.“ Weil Papa eine Praxis hat. „Ich sollte sein Erbe antreten.“ Er studierte in Kiel ein paar Semester, dann in Potsdam, schließlich kassierte er kräftig als Fälscher ab. W. fand als Praktikant in einem Berliner Institut eine Stelle. Dort befasst man sich mit Kraftfahrern, die durch Suff oder Drogen ihren Führerschein verloren haben und einen neuen wollen. Solche Gutachten der MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung, auch „Idiotentest“) durfte W. nicht erstellen. Aber er kam leicht ran.
Eine 44 Jahre alte Verkäuferin hat am frühen Freitagmorgen einen bewaffneten Räuber in Berlin-Kreuzberg in die Flucht geschlagen. Der mit Schal und Kapuze maskierte Mann hatte mit vorgehaltener Schusswaffe in einem Spätkauf in der Urbanstraße Bargeld verlangt. Als die Frau dem nicht nachkam, schlug der Unbekannte mehrmals mit der Waffe auf ihren Kopf, wie die Polizei mitteilte. Die 48-Jährige wehrte sich aber unter Einsatz von Pfefferspray, weshalb der Täter ohne Beute flüchtete. Die Frau erlitt leichte Kopfverletzungen.
Der Hochstapler: „Ich habe etliche gefälscht.“ Ein „eleganter Geschäftsmann“ habe ihn „angefüttert“. Es war Demirel K. (56), den er im Jahr 2008 zufällig kennengelernt hatte. K. war 1999 als korrupter Fahrschullehrer zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ab 2007 betrieb er eine Firma, in der sich Alk- oder Drogensünder auf Idiotentests vorbereiten lassen konnten. Heimlich setzte sich W. an den Computer des Instituts. Hatte ein Kunde von K. ein negatives Gutachten, fälschte es W. ins Positive. Auch für zwei andere Auftraggeber erledigte der Hochstapler solchen Schwindel. 91 Idiotentests und 29 Untersuchungen auf Alk- und Drogenabstinenz fälschte er. W. kassierte 37 000 Euro. Der Richter: „Dachten sie nicht an die Gefahren, die von solchen Autofahrern ausgehen?“ W.: „Habe ich verdrängt.“ Urteil: Mittwoch. KE

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