Volkssport Fahrradklau. Im vergangenen Jahr schoss die Zahl der Zweirad-Diebstähle in Berlin auf knapp 25988, ein Anstieg um 30 Prozent. Die Aufklärungsrate allerdings sank auf lächerliche 4,1 Prozent. In anderen Großstädten wie München wird immerhin jedes vierte Rad wiedergefunden. Haben Berlins Polizisten keine Lust oder keine Zeit?
Müde vom Job wollte Student Roberto Balcher nur noch eins: Rauf aufs Fahrrad, heim in den Wedding. Doch daraus wurde nichts – an der Laterne baumelten nur noch ein geknacktes Schloss und Rahmen-Überreste.
Fabia (27) aus Pankow: „Mir sind schon fünf Räder geklaut worden, zwei hatte ich allerdings nicht an Etwas drangeschlossen. Die anderen drei sind vorm Supermarkt und vor der S-Bahn verschwunden – trotz dicker Schlösser. Ich bin das fast schon gewöhnt und finde es richtig rücksichtslos von diesen Klau-Assis.“
Foto: GudathWie dem 25-Jährigen geht es vielen Berlinern. Durchschnittlich werden jeden Tag 71 Fahrräder geklaut! Und das sind nur die Fälle, die zur Anzeige kommen. „Warum sollte ich gestohlene Fahrräder der Polizei melden? Hoffnungslos! Die finden die eh nicht“, sagt André Gassmann resigniert. In der Tat: Die Aufklärungsquote ist mit 4,1 Prozent so schlecht wie zuletzt 2005. Bodo Pfalzgraf, Vorsitzender der Berliner Polizeigewerkschaft, sieht sich in seinem ständigen Mahnen für mehr Personal bestätigt: „Uns fehlt für die Vorbeugung und Aufklärung das notwendige Kiezwissen, weil es kaum noch Kontaktbereichsbeamte gibt.“
Außerdem seien die Kollegen laut Pfalzgraf genug mit anderen Delikten der Straßen- und Kleinkriminalität beschäftigt und würden kaum noch mit der Bearbeitung der Fälle hinterherkommen.
Ist aber wirklich der Personalnotstand der Polizei schuld an der verheerenden Aufklärungsquote? Andere Großstädte wie München schaffen schließlich zwischen 19 und 22 Prozent und damit einen fünfmal besseren Wert als ihre Hauptstadt-Kollegen. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, Ulrich Syberg, bemängelt im „Spiegel“ den fehlenden Einsatzwillen der Ermittler. Außerdem würde sich die Polizei auf das Anlegen von Aktenzeichen beschränken. „Der Staat bagatellisiert das Problem Fahrraddiebstahl“. Und so erhalten tausende Berliner Jahr für Jahr kurz nach dem Erstellen der Anzeige einen Standardbrief mit der unbefriedigenden Mitteilung, dass das Verfahren eingestellt sei und der Täter nicht ermittelt werden konnte.
Die Polizei schiebt die Verantwortung zum Teil auf die Fahrradbesitzer. Zu oft wären die teuersten Fahrräder mit den billigsten Schlössern „gesichert“. Student Roberto kann über dieses Argument nur lachen – er legt seinen 21-Gang-„Liebling“ nur noch mit zwei Schlössern an.
Eines ist klar: Kein Schloss ist sicher! Denn mit Geduld und Werkzeug lässt sich jedes Rad klauen. Doch Radler können es den Dieben schwer machen – mit dem richtigen Schloss. „Wer sich ein hochwertiges Fahrrad leisten kann, sollte auch beim Schloss nicht sparen“, mahnt Polizeisprecher Martin Dams. Finger weg von Spiralschlössern: Geschickte Diebe brauchen nur Sekunden, und schon ist ein Spiralkabel durchgezwackt.
Außerdem: Räder sollten nur dort abgestellt werden, wo viele Menschen auf beleuchteten Straßen unterwegs sind.

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