Das SEK überwältige Geiselnehmer Hans-Peter G.
Foto: SchröderKeine Wohnung, kein geruhsames Rentenleben. Eine Aussicht auf bessere Zeiten hat Hans-Peter G. (68) nicht. Die Geiselnahme in der Charlottenburger Postbank war sicher nicht der richtige Weg: Der Mann aus Adlershof war angetrunken, wollte mit dem Überfall nur auf seine Verzweiflung aufmerksam machen. Ein Riesenfehler, der ihn am Freitag vor den Haftrichter brachte.
Zwei Bier und ein Kamerateam hatte Hans-Peter G. gefordert, nachdem er einen Bankberater in seiner Gewalt hatte (KURIER berichtete). Das Bier für den Mut. Das Fernsehen, um seiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen. Im September hatte der Mann seine Wohnung verloren. Hans-Peter G. war mit der Miete im Rückstand, wurde schließlich zwangsgeräumt und kam in einem Obdachlosenheim unter.
„Er hat gut elf Jahre hier gelebt“, sagt ein Nachbar aus der Anna-Seghers-Straße in Adlershof. Hans-Peter G. hatte eine 64-Quadratmeter-Wohnung in der 2. Etage. Kontakt zu seinen Mitbewohnern pflegte er keinen. Die Leute im Haus und in der Straße beschreiben ihn als Eigenbrötler. Früher ging er wohl noch zur Arbeit, zuletzt war er meist daheim, vermutlich in Rente. Wieso der gebürtige Bayer seine Miete nicht zahlen konnte, ist nicht klar. Möglicherweise ist er ja verschuldet.
„Psychisch verwirrt ist er aber nicht. Das hat sich in den Vernehmungen ergeben“, sagt Oberstaatsanwältin Simone Herbeth.
Der Geiselnehmer, der vergangene Woche einen Banker in Zehlendorf in seiner Gewalt hatte, entpuppt sich derweil als hochkriminell. Nach Durchsuchung seiner Wolfsburger Wohnung prüfen die Ermittler, ob Thomas D. (29) auch zwei Banküberfälle in Niedersachsen verübt hat.

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