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Freitag, 3. August 2012

Enthüllt: Die Schwarzfahrer-Fangquote der BVG


Securitas-Leute am U-Bahnhof Alexanderplatz
Securitas-Leute am U-Bahnhof Alexanderplatz
Foto: BVG/Chr. Thomas
Berlin  –  

Ihr Job ist schon verdammt hart: Gestern wurde ein Kontrolletti von einem U-Bahn-Fahrgast ohne Ticket angegriffen und verletzt. Und nun enthüllt der RBB: Private Sicherheitsleute sollen für die BVG eine Schwarzfahrer-Fangquote erfüllen! Ein Ex-Kontrolleur (23) eines privaten Sicherheitsdienstes, der auch schon von einem Schwarzfahrer Schläge bekam: In einem Beitrag der „Abendschau“ behauptete er, dass es von der BVG Zielvorgaben gegeben haben soll.

„Der Druck wurde von der BVG erhöht, der auf uns Fahrscheinprüfer weiter gegeben wurde. Uns wurde gesagt, wir würden immer Minus machen“, sagte der Mann dem RBB. Ob das stimmt? BVG-Sprecher Klaus Wazlak will die gemachten Äußerungen nicht kommentieren.

Dabei sind Schwarzfahrer für die BVG ein großes Problem. Ihre Quote liegt im Schnitt zwischen 3,5 und 4,5 Prozent bei bis zu 2,6 Millionen Fahrgästen täglich. Der Schaden: etwa 20 Millionen Euro/Jahr. So unterstützen auch Kontrolleure privater Sicherheitsdienste die BVG im Kampf gegen die Schwarzfahrer.

Links der Ausriss des BVG-Schreibens an Securitas, den der  RBB  als „Fangquoten“-Beweis  vorlegte.
Links der Ausriss des BVG-Schreibens an Securitas, den der RBB als „Fangquoten“-Beweis vorlegte.
Foto: rbb Abendschau

Eine dieser Firmen war bis vor kurzem die Securitas. Die „Abendschau“ zeigte im Beitrag ein BVG-Schreiben an das Unternehmen. Darin steht: „... die Vertragsvereinbarung mit der Securitas zur Durchführung von Fahrausweiskontrollen gehen von ... mindestens 400.000 verwertbaren Feststellungen pro Jahr aus.“ Weil laut Schreiben die Securitas 60762 Schwarzfahrer zu wenig ermittelte, sollte sie 2010 eine „Vertragsstrafe“ von 300.000 Euro zahlen.

BVG-Fangquote: Pro
Kontra

Da schließt eine Firma einen Vertrag mit der BVG, um die schmarotzerische Schwarzfahrerei verringern zu helfen, und es wird eine Quote vereinbart, wie viele Schwarzfahrer zu fassen seien. Das ist leicht zu verstehen.

Es ist auch leicht zu verstehen, dass die BVG Konsequenzen zieht, wenn der Vertrag nicht erfüllt wird. Das hat ihr Vertragspartner vorher gewusst. Nur Vertreter der Fraktion „Gratis-für-mich-auf-Kosten-der-anderen“ sehen in der „Fang-Quote“ einen Skandal. Alle anderen freuen sich, dass die BVG den Schnorrern auf den Fersen bleibt, die eigentlich nur sich selbst bescheißen. Denn es ist ihre BVG, die sie ärmer machen.

Gerhard Lehrke, KURIER-Redakteur

Um es gleich zu sagen: Wer mit der BVG fährt, muss auch zahlen! Aber mit einer Fangquote Schwarzfahrer zu bekämpfen – da frage ich mich doch ehrlich, was dieser Unsinn eigentlich soll. Warum setzt die BVG die Kontrolleure mit Vorgaben unter Druck, eine bestimmte Anzahl von Fahrgästen ohne Fahrschein zu fangen?

Kein Wunder, dass Kontrollettis oft übelgelaunt in den Zügen auftreten. Mir scheint, die BVG will mit der Fangquote Schwarzfahrer produzieren, die es in Wahrheit gar nicht gibt! Die Verkehrsbetriebe sollten doch froh sein, dass Kontrolleure nicht mehr so viele Fahrgäste erwischen, die nicht bezahlen wollen.

Norbert Koch-Klaucke, KURIER-Redakteur

Das in der „Abendschau“ gezeigte BVG-Schreiben: Es soll den Bericht des Ex-Kontrolleurs über Schwarzfahrer-Fangquoten im gleichen Beitrag belegen. Weil hier „Vertragsinterna behandelt werden“, kann laut Sprecher Wazlak die BVG darüber „nicht öffentlich diskutieren“.

Der BVG-Vertrag mit Securitas endete gerade. „Aufgrund von fachlichen Meinungverschiedenheiten zur Umsetzung von Sicherheitsdienstleistungen, die nicht mit unseren Qualitätsstandards vereinbar sind, haben wir auf eine Teilnahme an der Neuausschreibung des Auftrages zum Sicherheitsdienst bei der BVG verzichtet“, sagt Wolfgang Peper von Securitas. NKK

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