Abgesperrte Straßen rings um die Oberbaumbrücke. Autos stauen sich ewig weit. Die U1 ist teilweise eingestellt. Lautsprecherwagen fahren durch Kreuzberg. Anwohner werden evakuiert. Für diese Szenerie sorgt eine 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem 2. Weltkrieg.
Zehn Uhr morgens findet ein Baggerfahrer bei der Ufersanierung an der Oberbaumbrücke die britische Fliegerbombe im Schutt. Seit vor einiger Zeit bereits an der Stelle eine Werfergranate gefunden wurde, ist immer ein Kampfmittelräumer bei den Arbeiten dabei. Schnell entscheidet die Polizei, die Bombe vor Ort zu entschärfen. Eine Entscheidung für die Sicherheit der Menschen.
Wegen der Fliegerbombe an der Oberbaumbrücke musste die Vorstellung des Großen Russischen Staatscircus am Donnerstag um 19.30 Uhr ausfallen. Der Zirkus hat neben der O2-World seine Zelte aufgeschlagen. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit für sämtliche Shows bis 2. Juni.
Dafür entsteht ein gewaltiges Verkehrs-Chaos, weil ein Radius von 500 Meter Luftlinie evakuiert werden muss. Mit über 200 Polizisten wird der Verkehr gesperrt. Darunter vor allem der Verkehrsknoten Warschauer Straße/Stralauer Allee. Nichts geht mehr von Ost nach West und von Nord nach Süd. Nach 13 Uhr fährt keine U-Bahn mehr über die Oberbaumbrücke. In Teilen Kreuzbergs werden die Leitungen für Gas, Strom und Wasser abgestellt.
Nach der Straßensperrung kommt der schwierige Teil der Evakuierung. Polizisten gehen von Tür zu Tür. Lautes Klopfen, dann hallt es durch die Treppenhäuser: „Aufmachen, Polizei!“ Die Menschen sollen die Sperrzone verlassen. An jeder geräumten Wohnungstür ist das weiße Kreidehäkchen der Polizisten zu sehen.
Für die Anwohner stellt sich die bange Frage: „Was nehme ich mit? Wo gehe ich hin?“ Viele entscheiden sich für einen Kaffee in der Nähe. An die eilig eingerichteten Notunterkünfte in Turnhallen möchte niemand denken. Doch erst, wenn die Evakuierung fertig ist, kann der Sprengmeister an den Zünder und die Bombe entschärfen. SF

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