Ermittler der Europäischen Union sind kriminellen, global operierenden Organhändlern auf der Spur. Die wichtigste führt zu einem renommierten Urologen in Mitte. Der hatte im Kosovo eine Klinik finanziert, in der illegal 20 bis 30 Nieren verpflanzt wurden. Sichergestellte E-Mails machen den Berliner Mediziner verdächtig.
Dabei geht es um einen Fall, der im Jahr 2008 aufflog und vor Gericht in Pristina verhandelt wird. Auf der Anklagebank sitzen fünf Männer. Einer von ihnen ist Lutfi D., Chef der „Medicus-Klinik“ in der reiche Kranke von armen Spendern mit Nieren versorgt wurden. Darunter ein Fabrikant (75) aus Nordrhein-Westfalen, der 2008 ein neues Organ erhielt.
80.000 Euro zahlte er für die Niere einer Russin (55), die 8100 Euro bekam und sich aus Geldsorgen mit der Operation einverstanden war. Die Frau leidet noch heute unter der Transplantation, der von einem Arzt durchgeführt wurde, der als „Dr. Frankenstein“ bezeichnet wird.
Für die Organ-Mafia und den Fabrikanten ein gutes Geschäft. Im Jahr 2009 etwa wurden in Deutschland offiziell 2772 Nieren verpflanzt. 8000 Patienten standen auf der Warteliste. Seit 2010 agiert im Kosovo die „Eulex“, die dort im EU-Auftrag die Rechtstaatlichkeit herstellen soll. Sie brachte das Verfahren gegen die Mafia ins Rollen. Dabei kam raus, dass der Berliner Urologe im Handelsregister als Besitzer der „Medicus-Klinik“ eingetragen ist.
Er hatte den Angeklagten Lutfi D. und dessen Familie während des Kosovo-Konflikts bei sich aufgenommen. Im März 2008 schrieb ihm der eine holprige E-Mail. Wörtlich: „Wir haben mit Transplantation der Niere beginnen. Erste Fall ist gemacht. Noch ein wir machen am 28. dieses Monat.“ Der Arzt aus Berlin bestreitet, was von den kriminellen Machenschaften gewusst zu haben. SCHA

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