Polizei&Justiz
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Tunnel-Raub: Wie baut man so ein Räuberloch?


Das ist keine Untergrund-Galerie, sondern das Räuberloch. Mit dem blauen Eimer haben die Räuber das Bohrmaschinen-Kühlwasser aufgefangen.
Das ist keine Untergrund-Galerie, sondern das Räuberloch. Mit dem blauen Eimer haben die Räuber das Bohrmaschinen-Kühlwasser aufgefangen.
Foto: dpa
Berlin –  

Das Kleeblatt-Loch scheint ihnen Glück zu bringen. Noch hat die Polizei sie nicht, die Steglitzer Tunnel-Gangster. Eine wichtige Spur führt allerdings nach Polen. Inzwischen rätselt ganz Deutschland über die seltsame Form ihres Durchbruchs durch eine Garagen- und Tresorraum-Wand der Volksbank. Sie sieht aus wie ein kleines Kunstwerk, superästhetisch. Der KURIER hat den Bauexperten Fabian Remspecher von der TU Berlin gefragt, wie der Maulwurfs-Coup technisch vonstatten ging.

Vier Halbkreise, die Flächen sind glatt – der Einstieg in den Raub-Tunnel lässt an Blumen, Schmetterlinge oder eben an ein Kleeblatt denken. Das schaffen weder Presslufthammer noch Fräsen, wie sie im Bergbau gebraucht werden.

Ein Kernbohrer mit Diamant-Aufsatz ist die Lösung des Rätsels. „Das ist ein Aufsatz für eine Bohrmaschine, um größere Löcher in Wände zu bohren. Beispielsweise für Steckdosen oder Rohre. Kernbohrer kommen unter anderem beim Hausbau zum Einsatz. Sie werden dazu an die Wand geschraubt“, erklärt Fabian Remspecher die Technik. Diese Aufsätze gibt es in verschiedenen Größen. Beim zirka 80 mal 80 Zentimeter großen Räuberloch war es vermutlich einer mit einem 40-Zentimeter-Durchmesser. TU-Experte Remspecher: „Vier Bohrungen waren nötig.“ Da zumindest die Tresorwand aus Stahlbeton ist und eine Stärke von 60 Zentimetern hat, wog jeder der vier Kerne ungefähr 170 Kilo. Ein fetter Batzen, den niemand so wegtragen kann. Vermutlich nahmen die Täter dazu eine Schubkarre.

Viel Krach entstand bei ihrer Bohr-Arbeit in der Garage nicht, auch gab es so gut wie keine Vibrationen. Der TU-Mann: „Der Aufsatz dreht sich langsam und muss, damit er nicht heiß läuft, mit Wasser gekühlt werden.“ Damit es keine Überschwemmung gibt, haben die Panzerknacker das in einer großen Tonne aufgefangen. Remspecher: „Auf den Bohrer darf nicht zu viel Druck ausgeübt werden, weil sich das Gerät sonst leicht verkantet. Jedes Loch dauerte gut eine halbe Stunde.“ Für die Arbeit ist keine Spezial-Ausbildung nötig. Jeder halbwegs geschickte Handwerker kann das. Auch an Bohrer und Aufsatz zu gelangen ist keine große Kunst. Die Maschine gibt es in dieser Größe zwar nicht im Baumarkt an der Ecke. Im Internet ist sie aber locker zu kriegen. Kostenpunkt: um die 5000 Euro.

Bauexperte Fabian Remspecher von der TU erklärt, wie die Gangster vorgegangen sind.
Bauexperte Fabian Remspecher von der TU erklärt, wie die Gangster vorgegangen sind.
Foto: zVg

Die Bohrung, die fachgerechte Holzverschalung des 45-Meter- Tunnels und die monatelange Buddelei (200 bis 300 Badewannen-Füllungen mit Steinen und Erde) – ganz sicher war das ein schweißtreibender Job. Er macht müde und durstig. Den löschten die Gangster mit Energie-Drinks. Ganz schön dumm: Davon ließen sie bei ihrer offenbar eiligen Flucht am Tatort gleich ein paar liegen.

Neben Gen-Spuren durch Gauner-Spucke sind die Dosen an sich auch eine wichtige Spur für die Fahnder. Die führt nach Polen. Einer der Drinks „BE Power“ ist die Hausmarke der großen Supermarktkette Biedronka mit fast 1900 Filialen und über 36 000 Mitarbeitern. Das muss natürlich nicht gleich heißen, dass die Täter Polen sind. Aber sie haben sich anscheinend im Nachbarland mit Proviant eingedeckt, eventuell auch mit ihrem Handwerkszeug. Gut möglich, dass sie auch dorthin mit ihrer Beute verschwanden.

Nach dem spektakulären Bruch von Montag hat die Polizei bisher knapp 100 Hinweise auf die Täter. Aber noch keine heiße Spur. Um die Garage im Februar 2012 anzumieten, hatten die Gangster falsche holländische Papiere vorgelegt. Und nur zu einem Täter gibt es mittlerweile eine Beschreibung.

Die Volksbank-Filiale in der Wrangelstraße öffnet am kommenden Montag ihr Finanzcenter. Montags drauf (28. Januar) dürfen Kunden, deren Schließfächer unbeschädigt sind, dann endlich ihre Wertsachen überprüfen.

Am Abend veröffentlichte die Polizei dann noch eine wichtige Mitteilung: Ermittler fanden inzwischen Teile eines Bohrers in dem unterirdischen Gang. Außerdem setzte die Sonder-Kommission eine Drohne ein, um den Tatort von oben genau zu vermessen. Das ferngesteuerte Spezialgerät war mit einer Kamera ausgerüstet.

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