Donnerstag, 9. Juni 2011
Islamisten in Frankfurt

Vom Musterpolizisten zum Hassprediger

Von DIERCK ROHWEDDER

So filmte ihn der Hessische Rundfunk. Inzwischen tritt der Polizist als islamistischer Prediger im Internet auf.
So filmte ihn der Hessische Rundfunk. Inzwischen tritt der Polizist als islamistischer Prediger im Internet auf.
Foto: EXPRESS-Screenshot
Frankfurt –  

Ausgerechnet die deutsche Finanzmetropole Frankfurt wird zur Hochburg der Islamisten in Deutschland. Jetzt haben radikale Koran-Anhänger am Main einen Coup gelandet, der selbst den hessischen Verfassungsschutz verblüfft: Mit Roman R. predigt ausgerechnet ein Polizist im Internet für den Koran, wirbt um Überläufer zum Islam.

Nach einem Bericht von „NDR info“ steht der 40-jährige R. weiter auf dem Gehaltszettel der Frankfurter Polizei, verbreitet aber unter dem Namen „Abu Bilal“ auf der Homepage der Islam-Gruppe „Dawa FFM“ seine Thesen und schimpft auf „unislamisch“ gekleidete Frauen. Roman R. galt als Vorzeige-Beamter. Er hat lange das Boxtraining der Frankfurter Polizei geleitet.

Roman R. als Boxtrainer bei der Frankfurter Polizei.
Roman R. als Boxtrainer bei der Frankfurter Polizei.
Foto: EXPRESS-Screenshot

Boxen – das verbindet Roman R. offenbar mit Pierre Vogel, dem geistigen Anführer der rund 5.000 radikalen Islam-Überläufer. Vogel war deutscher Junioren-Meister im Boxen, machte 1999 in Berlin sein Abitur, geriet dann in die Fänge radikaler Salafiten-Prediger, studierte anfangs in Köln, später an der Umm-Al-Qura-Uni in Mekka.

Die Salafisten sind besonders rückwärts gewandte Muslime, die von einem Gottesstaat nach strengen Koran-Regeln träumen. Viele sind gewaltbereit und sehen in den Dschihad-Terroristen der Gruppe Al Kaida ihre Helden.

Die Salafiten - gefährliche Sehnsucht nach dem Gottesstaat

Salafismus – bei diesem Wort sträuben sich Verfassungsschützern die Nackenhaare. Für den hessischen Verfassungsschutzchef Boris Rhein geht derzeit von der islamistischen Gruppe der Salafiten (4.000 bis 5.000 Personen) die „größte Gefahr in Deutschland aus“. Der Salafismus ist eine religiöse Richtung innerhalb des Islams, der es ursprünglich um die Reinheit der Religion geht. Sie will den islamischen Gottesstaat errichten und dabei die ultraradikalen Regeln des Korans und der Scharia umsetzen, etwa die Steinigung von Ehebrecherinnen. Sie hält den Dschihad, den Krieg gegen die Ungläubigen, für legitim. In Saudi-Arabien, der Heimat von Osama bin Laden, hat sich der Salafismus zur Staatsreligion Wahabismus gewandelt.

Mit Schüssen auf einen Bus der US-Streitkräfte am Frankfurter Airport hat Arid U. zwei Soldaten getötet.
Mit Schüssen auf einen Bus der US-Streitkräfte am Frankfurter Airport hat Arid U. zwei Soldaten getötet.
Foto: dpa

Das zeigte sich im Februar in Frankfurt, als der 21-jährige Deutsch-Kosovare Arid U. am Flughafen plötzlich wild um sich schoss und zwei US-Soldaten tötete, zwei weitere schwer verletzte. Es war das erste islamistische Attentat auf deutschem Boden.

Vogel hatte möglicherweise auch Kontakt zu Mitgliedern der Sauerland-Gruppe – er (sie wurde enttarnt und zu langen Gefängnis-Strafen verurteilt) behauptet aber, ihnen von den geplanten Anschlägen in Deutschland abgeraten zu haben. Erst im April demonstrierten die Islamisten in Frankfurt Stärke, setzten einen Auftritt des radikalen Predigers Bilal Philips (ein kanadischer Hassprediger) vor 1.500 Anhängern auf dem Rechtswege durch. Hat er den Polizisten R. zum Kampfnamen „Abu Bilal“ inspiriert“?

Laut NDR soll R. über ein Hamburger Reisebüro Pilgerfahrten für junge männliche Muslime nach Saudi-Arabien organisiert haben. R. ist zwar nicht mehr im Dienst, gegen ihn laufen dienstliche Ermittlungen, aber er erhält weiter den Großteil seiner Beamten-Bezüge.

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