Hohe Haftstrafen für die russische Punkband „Pussy Riot“: Ein Moskauer Gericht hat die drei Künstlerinnen Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) zu je zwei Jahren Haft im Straflager verurteilt. Die Untersuchungshaft von knapp sechs Monaten werde angerechnet, hieß es.
Die zuständige Richterin Marina Syrowa sagte, sie habe mildernde Umstände bei der Festlegung des Strafmaßes gelten lassen. Auf die Tat könne dennoch nur mit Freiheitsentzug reagiert werden. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert.
Verurteilung wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“
Bereits Stunden vor Bekanntgabe des Strafmaßes wurden die drei Frauen am Freitag schuldig gesprochen - wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“. Bei der Urteilsverkündung sagte die Richterin, die Punkerinnen hätten eine rechtswidrige religiöse Handlung verübt.
Die Richterin warf den Angeklagten vor, mit ihrem Protest in der Erlöserkathedrale in Moskau am 21. Februar die Gefühle der Gläubigen auf das Gröbste verletzt zu haben. Die Frauen hatten an diesem Tag die Moskauer Erlöser-Kathedrale gestürmt. Dort hatten sie mit einem Protestlied gegen die autoritäre und anti-feministische Politik von Präsident Wladimir Putin und die enge Verzahnung von Staat und Kirche vor der Präsidentenwahl protestiert.
Ausführlich schilderte die Richterin bei der Urteilsverkündung die Aktion. Dabei spielte sie insbesondere auf die aufreizend knappe Kleidung der Aktivistinnen und deren Tanz mit dem Rücken zum Altar an.
Weltweite Proteste gegen Urteil
Der Urteilsverkündung am Freitag wurde von heftigen Protesten von Anhängern der Künstlerinnen begleitet. Vor dem Gericht in Moskau gab es Dutzende Festnahmen.
Weltweit gab es Kritik an dem Schuldspruch. Der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin, nannte das Urteil ungerecht. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, das Urteil sei ein „harter Schlag gegen die Meinungsfreiheit in Russland“, sie erkennt die Frauen als politische Gefangene an. Zuhörer im Saal riefen nach Bekanntgabe des Strafmaßes „Schande!“.
Wegen ihres „Punkgebets“ in der Moskauer Erlöserkathedrale wurde die Band Pussy Riot angeklagt. Wir dokumentieren den Liedtext:
„Mutter Gottes, Du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!
Schwarzer Priesterrock, goldene Schulterklappen - Alle Pfarrkinder kriechen zur Verbeugung Das Gespenst der Freiheit im Himmel Homosexuelle werden in Ketten nach Sibirien geschickt.
Der KGB-Chef ist Euer oberster Heiliger, Er steckt die Demonstranten ins Gefängnis. Um den Heiligsten nicht zu betrüben Müssen Frauen gebären und lieben.
Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck! Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!
Mutter Gottes, Du Jungfrau, werde Feministin, Werde Feministin, werde Feministin!
Kirchlicher Lobgesang für die verfaulten Führer - Kreuzzug aus schwarzen Limousinen. In die Schule kommt der Pfarrer, Geh' zum Unterricht - bring ihm Geld.
Der Patriarch glaubt an Putin. Besser sollte er, der Hund, an Gott glauben. Der Gürtel der Seligen Jungfrau ersetzt keine Demonstrationen - Die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns!
Mutter Gottes, Du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!“

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