Dienstag, 7. Februar 2012
So zocken Banken Kunden ab

Stoppt die Abzocke beim Dispo!

Von MICHAEL FUCHS und CHRISTIAN WIERMER

Dickes Minus auf dem Konto: Jeder sechste Deutsche steckt in roten Zahlen.
Dickes Minus auf dem Konto: Jeder sechste Deutsche steckt in roten Zahlen.
Foto: dpa
Berlin –  

So zocken Banken Kunden ab Stoppt die Abzocke beim DispoWenn aus Miesen eine Schuldenspirale wird: Jeder sechste Deutsche hat ein Minus auf dem Konto! Und für sie wird es richtig teuer. Die Kosten für Dispo- und Überziehungskredite schießen wieder in die Höhe – auf bis zu 18 Prozent. „Abzocke“, schimpfen Verbraucherschützer. Denn: Banken bekommen ihr Geld so billig wie nie.

In einem Jahr von 9,95 auf 10,29 Prozent: So hoch ist laut aktueller Bundesbankstatistik der – durchschnittliche (!) – Zinssatz für Überziehungs- und Kreditkartenzinsen (Stand: Ende Dezember 2011). Seit dem Sommer zeigt die Abzock-Kurve Monat für Monat stetig nach oben. Dabei liegt der Leitzins bei der EZB, zu dem sich die Banken selbst Geld (sehr günstig) leihen können, seit über einem Jahr bei gerade mal einem Prozent.

So unterschiedlich sind Zinssätze, wenn Sie Ihr Konto überziehen

DKB Deutsche Kreditbank

7,90 %

„Die Überziehungskredite sind viel zu hoch. Sie hätten schon lange gesenkt werden müssen“, sagt Manfred Westphal, Finanzexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. „Das ist für die Banken billig verdientes Geld.“ 18 Prozent seien die „Spitze des Eisberges“, so Westphal.

So viel müssen Verbraucher zahlen, wenn der Disporahmen nicht ausreicht.

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Während der Bankenverband sich damit verteidigt, dass man habe erhöhen müssen, weil der Leitzins 2011 zwischenzeitlich auch zweimal gestiegen sei, sprechen Verbraucherschützer schlicht von „Wucher“. SPD-Fraktions-Vize Ulrich Kelber zum KURIER: „Zweistellige Dispo-Kredite sind in der derzeitigen Lage einfach nicht nachvollziehbar.“

In der Theorie gebe es zwar Wettbewerb, aber die Realität sehe anders aus. Kelber: „Ein Wechsel der Bank findet kaum statt, zumal er auch nicht einfach ist.“

Bärbel Höhn, stellvertretende Chefin der Grünen-Fraktion, kritisiert die Zinspolitik der Banken als „pure Abzocke der Menschen, die kurzfristig in eine finanzielle Notlage geraten sind“. Höhn zum KURIER: „Die Bundesregierung muss endlich für eine effektive Finanzaufsicht und wirksamen Verbraucherschutz sorgen. Wir fordern eine gesetzliche Obergrenze für Dispozinsen, die sich an einem regulierten Referenzzinssatz orientiert.“

Die Linke will ebenfalls eine Deckelung. Vize-Chefin Sahra Wagenknecht zum KURIER: „Der Wucher gehört gesetzlich verboten.“

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