Montag, 20. Februar 2012
Mutig, aber auch unbequem

Gauck: Seine provokanten Thesen


Joachim Gauck
Joachim Gauck
Foto: dpa
Berlin –  

So viel Eintracht gab es vor der Erstwahl eines Bundespräsidenten noch nie: Fünf Parteien unterstützen Joachim Gauck. Dabei ist der Bürgerrechtler für provokante Thesen bekannt.

Plötzlich haben es alle schon immer gewusst: Joachim Gauck (72), am späten Sonntag nach zähem Ringen von einer Super-Koalition aus CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen auf den Schild gehoben, ist die beste Lösung im Polit-Casting „Deutschland sucht den Super-Präsidenten“.

„Ein wahrer Demokratielehrer“, pries Angela Merkel ihn und erinnerte an Gaucks Opposition zum DDR-Regime. „Er kann die Menschen wieder mehr begeistern für die Demokratie“, hofft FDP-Chef Philipp Rösler. „Keinen besserer, aber ein anständigerer Mensch“ sei er, so Grünen-Chefin Roth.

Gauck hat gezeigt, dass er ein begnadeter Redner ist, der provokante Thesen nicht scheut. Eine Auswahl:

• Gauck und die Sarrazin-Thesen

Thilo Sarrazin, dessen Thesen über Ausländer Deutschland polarisierten, attestierte Gauck 2010, „Mut bewiesen“ zu haben. „Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik“, so Gauck. Mit Sarrazins Inhalten („dumme Ausländer“) setzte er sich aber nicht auseinander.

• Gauck und Occupy

Bei einer Veranstaltung der „Zeit“ sagte Gauck 2010 in Hamburg, die Finanzmarkt-Debatte (Occupy Wallstreet) sei „unsäglich albern“. Gauck: „Der Traum von einer Welt, in der man sich der Bindung von Märkten entledigen kann, ist eine romantische Vorstellung.“

• Gauck und Hartz IV

Von Arbeitslosen fordert Gauck mehr Eigeninitiative: „Die Leute müssen aus der Hängematte der Glückserwartung durch Genuss und Wohlstand aufstehen“, so Gauck zur „Süddeutschen Zeitung“.

• Gauck und die „Nation“

Gauck in der „SZ“: „Ich setze große Hoffnungen auf die nachwachsende Generation – dass sie aus diesem phasenweise negativen Nationalismus, also unbedingt kein Deutscher sein zu wollen, etwas Besseres macht.“

Grünen-Chef Cem Özdemir nach Gaucks Nominierung: „Wir freuen uns auf die Auseinandersetzung mit ihm.“ Sicher ist: Der unbequeme Freigeist wird es seinen Unterstützern nicht leicht machen.

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