Vor sechs Wochen lachte sich die Opposition im Bundestag schlapp. Angela Merkel sorgte für Erheiterung. „Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung“, behauptete die Kanzlerin im Rededuell mit ihrem Herausforderer Peer Steinbrück. Eine Bestnote hat sie jetzt Schwarz auf Weiß. Deutschland erlebt ein neues Job-Wunder.
Der Arbeitsmarkt hierzulande verzeichnet sein bestes Jahr seit mehr als 20 Jahren. Die Daten: 2,84 Millionen Deutsche waren im Dezember arbeitslos – zwar 88.000 mehr als im November und 60.000 mehr als vor einem Jahr.
Aber: Im Jahresdurchschnitt 2012 registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) 2,897 Millionen Menschen ohne Job. Weniger Arbeitslose gab es zuletzt 1991 im Wiedervereinigungsboom (2,6 Millionen). Nur: Was ist die statistisch gesehen beeindruckende Beschäftigungs-Bilanz wirklich wert?
Wo stehen wir in Europa?
Deutschland wird immer mehr zum EU-Musterknaben. Laut neuer Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst und Young wird die Zahl der Arbeitslosen in der EU 2013 von jetzt 18,7 Millionen auf über 20 Millionen hochschnellen. Damit steuert Gesamt-Europa eine Arbeitslosenquote von 12 Prozent an, Deutschland liegt derzeit bei 6,7 Prozent. Nur Luxemburg und Österreich haben in der EU eine höhere Beschäftigungsquote.
Bleibt die Arbeitslosenquote stabil niedrig?
Damit rechnet BA-Chef Frank-Jürgen Weise: „Unser Arbeitsmarkt reagierte auch zum Jahresende robust.“ Aber: Konjunkturforscher und Volkswirte großer Banken prophezeien eine Delle im Arbeitsmarkt. Grund: Die Zahl der offenen Stellen rutschte im Dezember auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren.
Ist die Arbeitslosen-Statistik geschönt?
Gewerkschaften und Opposition sagen: ja! Denn: Wer sich nicht zur Arbeitssuche meldet, taucht in der Statistik nicht auf. Genau wie Hunderttausende, die in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sowie Fort- und Weiterbildung stecken sowie Ein-Euro- und Mini-Jobber. Auch Auswirkungen der „Agenda 2010“ von Rot-Grün.
Trickst Deutschland mehr als andere Länder?
Nein. Jedes Land definiert Arbeitslosigkeit anders, deutsche Standards gelten als seriös.

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