Montag, 20. Februar 2012
Kritik bei Twitter

Was haben die User gegen Joachim Gauck?


„Noch mal ganz deutlich: Gauck geht gar nicht!!“, findet dieser User. Bei Twitter häuft sich Kritik.
„Noch mal ganz deutlich: Gauck geht gar nicht!!“, findet dieser User. Bei Twitter häuft sich Kritik.
Foto: Screenshot Twitter

Vor zwei Jahren wurde er noch wie ein Popstar gefeiert: Mit bunten Plakaten zogen Pro-Gauck-Demonstranten durch die Straßen – verabredet hatten sie sich im Internet. 2010 war Joachim Gauck vor allem bei jungen Bürgern der Favorit, in Facebook-Gruppen organisierten sich seine Fans, die Netzgemeinde schien ihm zu Füßen zu liegen.

Jetzt wird Gauck im zweiten Anlauf Präsident – und plötzlich ist alles anders. Die große Euphorie im Internet ist abgeklungen, bei Twitter bildet sich harter Widerstand gegen den neuen Kandidaten. Was ist in den letzten zwei Jahren passiert? Warum hat Gauck das digitale Deutschland nicht mehr auf seiner Seite?

Im Jahr 2010 versammelten sich Internetnutzer noch zu Pro-Gauck-Demos. Jetzt sind viele gegen den Theologen.
Im Jahr 2010 versammelten sich Internetnutzer noch zu Pro-Gauck-Demos. Jetzt sind viele gegen den Theologen.
Foto: dpa

„Es besteht ein großer Unterschied zwischen Gauck 1 und Gauck 2“, sagt der Politikwissenschaftler Christoph Bieber. Gaucks Rolle hat sich verändert, vom alternativen Bürgerpräsidenten wurde er zum Kandidat des politischen Establishments. Alle großen Parteien stehen hinter ihm – da ist die Netzgemeinde skeptisch.

Außerdem hat Gauck die netz-affinen Bürger in der Zwischenzeit verärgert: Er lehnt die bei Internetnutzern verhasste Vorratsdaten-Speicherung nicht entschieden ab. Damit zieht er vor allem den Zorn der Piratenpartei auf sich: „Das ist ein Punkt, über den wir nicht diskutieren“, sagt Christopher Lang, Sprecher der Bundespartei.

Und auch Gaucks kritischer Blick auf die „Occupy“-Bewegung („unsäglich albern“) hat viele eher links gerichtete Nutzer verärgert. Genau wie seine Meinung zu Thilo Sarrazin, dem er „Mut“ bescheinigte und in Teilen Recht gab.

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Die Nutzer verbreiten ihren Frust nun im Internet: Bei Twitter gehen unter dem Hashtag #notmypresident (Nicht mein Präsident) ständig neue Kommentare ein. Eine der zynischen Bemerkungen: „Gauck wird vermutlich die hitzige Debatte im Netz nicht einmal bemerken. No Website, no Facebook, no Twitter.“

Das ist ein weiteres Problem für den Präsidenten in spe: Mit 72 Jahren verkörpert er nicht das Bild des jungen und modernen Politikers, der im Web 2.0 Zuhause ist. Immerhin: Bei Facebook gibt es massenhaft Unterstützung für den neuen Mann an Deutschlands Spitze: „Joachim Gauck als Bundespräsident“ ist nur eine von zahlreichen Fangruppen – sie hat mehr als 27.000 Mitglieder.

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