Die Politik schießt sich auf die „DINKs“ ein. DINK – das steht für „double income no kids“, kinderlose Doppelverdiener also. Das Klischee: DINKs fahren oft in den Urlaub, leisten sich schicke Sportwagen, gehen gern teuer essen – und scheren sich nicht um den demografischen Wandel. Jetzt wollen junge Unionspolitiker kinderlosen Paaren ans pralle Portemonnaie.
Unter der Überschrift „Für eine solidarische Demografie-Rücklage“ fordert Marco Wanderwitz, Sprecher der Jungen Gruppe in der Union, in einer Streitschrift eine Sonderabgabe für Kinderlose: Vom 25. Lebensjahr an sollen Bürger „einen prozentuellen Anteil des Einkommens“ für „die Stabilität der Sozialversicherungen“ zahlen.
Gedacht ist offenbar ein Prozent. Kinderlose zahlen den vollen Anteil, bei einem Kind halbiert sich der Betrag, ab zwei Kindern zahlt man nichts.
Hintergrund: Im Schnitt geben Eltern für jedes Kind bis zum 18. Lebensjahr etwa 122.000 Euro aus (ohne Ausbildungskosten). Geld, das kinderlosen Paaren für Spaß und Freizeit zur Verfügung steht.
Um hier für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, planen die jungen Unionspolitiker gar eine Verfassungsänderung. Blöd nur, dass nicht einmal die eigene Fraktion geschlossen hinter dem Vorschlag steht. Während Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) Unterstützung signalisiert, ist Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dagegen. Und Familienministerin Kristina Schröder (CDU) wirbt für „Anreize statt Abschreckung“.
Auch die Opposition winkt ab. „Das ist kein Beitrag zu Solidarität und Gerechtigkeit. Die Union versucht damit, von ihrer familien- und gesundheitspolitischen Profillosigkeit abzulenken“, so Caren Marks zu unserer Zeitung. Die familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion kritisiert, die Trennung in Kinderlose und Kinderhabende trage „einen Spaltpilz in unsere Gesellschaft“. Sie verweist auf die von ihrer Partei angestrebte Reform des Kindergeldes.
Auch vom „Deutschen Familienverband“ kommt mehr Kritik als Zustimmung. „Die Diskussion geht in die falsche Richtung: Niemand sollte für seine individuelle Lebensplanung oder gar für medizinisch bedingte Kinderlosigkeit bestraft werden. Entlastung von Familien wäre richtig“, so Bundesgeschäftsführer Siegfried Stresing zu unserer Zeitung. Etwas erreicht hat die Junge Gruppe der Union aber dennoch: Das Thema wird hitzig diskutiert.

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