14.24 Uhr, Reichstagsgebäude. Die Sonne schien durch die Glaskuppel, vor dem Gebäude warteten Tausende Schaulustige, als Joachim Gauck (72) seine kurze Rede mit diesem lockeren, fast flapsigen Spruch begann: „Was für ein schöner Sonntag.“
Ein Sonntag, an dem ein (Fast-)Allparteien-Mann neuer Bundespräsident wurde. Ein Mann aus dem Osten, der nun an der Spitze des Staates steht. Selbst die überraschend vielen Enthaltungen (nämlich 108) und die 126 Wahlfrauen und- männer, die für Linke-Kandidatin Beate Klarsfeld gestimmt haben, konnten Gaucks Freude nichts anhaben.
„Ich war bewegt, nicht gerührt, es war mehr Freude und Dankbarkeit in mir“, sagte Gauck noch im Gewusel der Bundesversammlung über den Moment der Wahl. Und, ja natürlich, sei das hier der Höhepunkt seines Lebens. Auf der Tribüne fielen sich Gaucks Kinder und Enkelkinder derweil in die Arme.
Am Rednerpult hatte ihr „Jochen“, wie sie ihn nur nennen, zuvor gesprochen und an den historischen Tag der Volkskammerwahlen erinnert. „Es war der 18. März heute vor genau 22 Jahren und wir hatten gewählt. Wir, das waren Millionen Ostdeutsche, die nach 56-jähriger Herrschaft von Diktatoren endlich Bürger sein durften. Zum ersten Mal in meinem Leben im Alter von 50 Jahren durfte ich in freier, gleicher und geheimer Wahl bestimmen, wer künftig regieren soll.“
Applaus im Saal, nur bei den Linken verhaltene Reaktionen. Sie hatten massiv Stimmung gegen den Kandidaten von Union, SPD, Grünen und FDP gemacht. Am Ende bekam Nazi-Jägerin Klarsfeld immerhin auch einige wenige Stimmen aus den Reihen der anderen. Die Enthaltungen für Gauck – sie werden vor allem bei den Grünen vermutet.
Dennoch herrscht beim anschließenden Empfang fast überall Erleichterung über die eindeutige Wahl mit 80-Prozent-Mehrheit.
Hannelore Kraft, die NRW-Ministerpräsidentin, sagt, Gauck werde Deutschland als Bürgerpräsident guttun. Und Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) sagt gar, mit Gaucks Wahl sei die Wiedervereinigung nach 22 Jahren „endgültig vollzogen“.

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