Sonntag, 23. Oktober 2011
Altkanzler zu Gast bei Jauch

Schmidt sieht in Steinbrück geeigneten Kanzler-Nachfolger


Peer steinbrück, Helmut Schmidt, Günther Jauch
Peer steinbrück, Helmut Schmidt, Günther Jauch
Foto: dapd
Berlin –  

Altkanzler Helmut Schmidt sieht Peer Steinbrück unter anderem wegen seines Sachverstands in Finanzfragen als den geeigneten Kanzlerkandidaten der SPD an. Notwendig seien im Augenblick politische Führer, die in diesem Bereich Bescheid wüssten, sagte der 92-Jährige in der ARD-Sendung „Günther Jauch“.

„Er ist einer von denen, die wirklich wissen, worüber sie reden“, sagte Schmidt. Der frühere Bundesfinanzminister Steinbrück (64) sagte, er werde sich zu der Kanzlerkandidatenfrage erst äußern, falls ihm der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel eine entsprechende Frage stellen würde.

Auf mehrere Versuche Jauchs, ihm mehr zu entlocken, sagte Steinbrück schließlich: „Der Knochen ist jetzt abgenagt.“

Schmidt erklärte, dass er die bisherigen Versuche zur Rettung des Euro mit Sorge sehe. „Es dauert ein bisschen zu lange, wie die gegenwärtig Regierenden in Berlin, in Paris und anderswo, damit umgehen“, sagte der 92-Jährige.

Ein Rettungsschirm nach dem anderen habe bisher nicht ausreichende Ergebnisse gebracht. Zugleich sei Griechenland in eine Depression gestürzt worden, von der man nicht wisse, ob dies die griechische Demokratie aushalten könne.

„Die gegenwärtige Krise ist eine Krise der Organe der Europäischen Union“, betonte Schmidt, nicht des Euro als Währung. So sei die Inflation niedriger als zu D-Mark-Zeiten.

Steinbrück betonte bei dem gemeinsamen Auftritt: „Die bisherige Krisenstrategie entpuppt sich zunehmend als erfolglos“.

Die Krise könne weiter eskalieren, weil man bei den Euro-Rettungsprogrammen an Grenzen der öffentlichen Zustimmung stoße und immer weitere harte Sparprogramme krisengeschüttelte Euro-Staaten nicht auf die Beine bringen würden.

„Es fehlt ein umfassender Ansatz, um diese europäische Währungsunion zu verteidigen“, kritisierte Steinbrück. Deutschland könne aber nur mit Europa gemeinsam den jetzigen Wohlstand verteidigen.

Unterdessen zwingen die Europartner den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zum Sparen. Bis zum nächsten Eurogipfel am Mittwoch müssten mehrere Länder, insbesondere Italien, konkrete Zusagen zur Haushaltskonsolidierung vorlegen, sagte EU-Ratschef Herman Van Rompuy am Sonntagabend zum Abschluss des ersten Gipfeltreffens.

Auf die Frage was geschehe, falls die angesprochenen Länder nichts vorlegen, sagte Van Rompuy: „Sie werden Zusagen machen.“ Der Gipfel am Sonntag ging „mit guten Fortschritten“ zu Ende, sagte Kommissionschef José Manuel Barroso.

Die Entscheidungen über ein neues Griechenland-Paket, einen Hebel für den Rettungsschirm EFSF und die Rekapitalisierung der Banken folgen aber erst am Mittwoch.

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