Politik & Wirtschaft
Berichte und Hintergründe und Neuigkeiten aus der Politik in Deutschland und der Welt

Berliner KurierNews Politik & Wirtschaft
Freitag, 27. Juli 2012

"MS Deutschland"-Skandal: Das miese Spiel auf dem Traumschiff


Derzeit liegt die „MS Deutschland“ in London als Hauptquartier für die deutsche Olympia-Delegation.
Derzeit liegt die „MS Deutschland“ in London als Hauptquartier für die deutsche Olympia-Delegation.
Foto: dpa
London –  

Darf das Traumschiff der Deutschen unter fremder Flagge fahren? An dieser Frage hat sich ein Skandal entzündet, der jetzt sogar politisch hohe Wellen schlägt.

Hintergrund: Die Reederei Deilmann aus Neustadt (Holstein) will die „MS Deutschland“, die momentan als Hauptquartier der deutschen Olympia-Delegation in London liegt, nach den Spielen unter der Flagge von Malta fahren lassen. Dagegen wehren sich Kapitän und Crew. Jetzt wurde Käpt’n Andreas Jungblut beurlaubt.

Nach „Bild“-Informationen war Jungblut eigens in seinem Urlaub nach London geflogen, um seiner Mannschaft im Kampf gegen die Ausflaggung des deutschen Vorzeige-Dampfers beizustehen: „Es weht deutsche Geschichte durch die Räume dieses Schiffes.“

Um Druck auf die Reederei auszuüben, schrieb er vor Olympia sogar einen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck (72). „Sehr geehrter Herr Präsident“, heißt es darin, „die Crew der ‚Deutschland‘ meint, dass unser Schiff sehr wohl wirtschaftlich unter deutscher Flagge fahren kann. Man wechselt diese nicht wie das Unterhemd.“

Die dem Finanzinvestor Aurelius gehörende Reederei Deilmann begründet den Flaggenwechsel mit Sparzwängen. Unter Malta-Flagge könnten Gehälter und andere Kosten erheblich reduziert werden.

In London liegt die „MS Deutschland“ nur noch unter deutscher Flagge, weil Proteste gegen den für Juli geplanten Wechsel für Wirbel sorgten. Am Wochenende kommt Gauck zum Olympia-Empfang aufs Traumschiff – da hätte eine maltesische Beflaggung ziemlich peinlich gewirkt.

Für Jungblut endete der Kampf um sein Schiff tragisch – mit dem Rauswurf. Die Reederei beurlaubte ihn, er wurde von Bord verbannt. „Ein einmaliger würdeloser Fall in der Geschichte der Schifffahrt, dass ein Kapitän von Bord geworfen wird“, so Jungblut bitter. Laut Reederei ist er im „Urlaub“, das Kommando habe der zweite Kapitän übernommen.

Das miese Spiel auf dem Traumschiff sorgt inzwischen auch in Berlin für Aufregung. „Ich appelliere an das Heimatgefühl und den Nationalstolz der Reederei: Das Traumschiff muss deutsch bleiben“, fordert der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer.

Auch Hans-Joachim Otto (FDP), Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft, ist empört: „Der politische Instinkt sollte der Reederei sagen, dass sie das Ausflaggen besser lässt. Es ist eine Frage der Weisheit, dieses symbolträchtige Schiff unter deutscher Flagge zu belassen.“

Davon will die Firma Deilmann nichts wissen. Eine Sprecherin: „Wir wollen das Schiffsregister definitiv wechseln.“

Weitere Meldungen aus dem Bereich Politik & Wirtschaft
Aufbau der Fanmeile in Berlin.
Champions-League-Finale

Schock wenige Stunden vor dem Anpfiff: Wie der Spiegel berichtet, wurde Terror-Alarm für deutsche Fanmeilen ausgelöst - sind die Fans in akuter Gefahr? Die Rede ist von „ernstzunehmenden Hinweisen“!  Mehr...

Ein Joint soll auch in Zukunft straffrei bleiben.
Was ist erlaubt?

Die Freigrenze beim Haschisch-Besitz ist in Deutschland nicht einheitlich. Das wollen die Innenminister jetzt ändern.  Mehr...

Ein Typhoon-Kampfjet der britischen Royal Air Force hat auf dem Londoner Flughafen Stansted eine Passagiermaschine zur Landung gezwungen.
Flughafen London

Viel Aufregung in London am Tag vor dem CL-Finale: Am Flughafen Stansted haben britische Kampfjets eine pakistanische Boeing 777 zur Landung gezwungen. Offenbar kam es in der Maschine zu Streit.  Mehr...

Politik & Wirtschaft
Blaulichtkurier
Videos aus Politik & Wirtschaft
Alle Videos
Anzeige
Top Stories
Neueste Bildergalerien
Berliner KURIER