Dienstag, 7. Februar 2012
Das Honecker-Tagebuch

Er rief „Erich! Rot Front!“ Aber Mielke blieb stumm


Den frühere DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker verlässt am 29. Juli 1992 mit geballter Faust die chilenische Botschaft in Moskau.
Den frühere DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker verlässt am 29. Juli 1992 mit geballter Faust die chilenische Botschaft in Moskau.
Foto: dpa

Fast zwanzig Jahre lang befanden sich die letzten persönlichen Aufzeichnungen von Erich Honecker bei seiner Frau Margot in Santiago de Chile: 400 handschriftliche Seiten, verfasst während seiner 169-Tage-U-Haft in Berlin 1992/93 – Wort gewordene Gedanken über seinen Alltag im Gefängnis, seinen Prozess, sein Leben, seine Krebserkrankung und das Ende der DDR.

In einer großen Serie drucken wir Auszüge aus diesem Tagebuch.

29. Juli 1992

Berlin in Sicht. Liegt in der Abendsonne. Ich sehe den Fernsehturm, um den Walter (Walter Ulbricht, bis zu seiner Entmachtung 1971 der mächtigste Politiker der DDR − Anm.d.Red.) so gekämpft hat. Ich freue mich noch jetzt, dass ich ihn dabei unterstützte. Er hatte dabei einen schweren Stand. Aber schließlich doch die Mehrheit. So sah es unter der „Diktatur“ aus, in der Demokratie, die sozialistisch war.

So schön hatte es Honi

Bildergalerie ( 7 Bilder )

Er (der Turm – Anm.d.Red.) steht immer noch auf Berliner Boden. Wie ich hörte, soll noch die „Eigentumsfrage“ von Grund und Boden geklärt werden. Ja, daran haben wir wohl damals nicht gedacht. Ich weiß auch nicht, wem er gehört. Früher gehörte er dem Volk.

Die Landung in Tegel war gut. Die Aufnahme korrekt.

Noch im Flugzeug erfolgte eine ärztliche Untersuchung: Herz/ Lunge o.k., Blutdruck 90/180, Puls 130.

Mehr dazu

Danach ging im Mercedes die Fahrt nach Moabit. Am Straßenrand stehen Menschen, ich sehe Transparente, rote Fahnen, höre Rufe von Freund und Feind. Die freundlichen Worte überwiegen. In der Turmstraße großer Empfang, Rufe von unseren Berlinern. Tor auf – wir sind auf dem Hof des Haftkrankenhauses.

Im Krankenhaus erfolgt die Einkleidung. In der U-Haft hat man ja das Recht auf eigene Kleidung.

Um meine Bilder muss ich kämpfen. Zwei Fotos von den Enkeln hat man mir abgenommen.

Bin mit einem Sinto in der Zelle. Wir verstehen uns gut. Das Einschlafen fiel mir schwer. Ich habe noch eine Tablette genommen. In Zukunft wird dies wohl wegfallen.

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