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Höllen-Kur für Feuerwehrmann: Finger in der Reha verbrannt!


Feuerwehrmann Malzahn zeigt seine Hand. Um sich zu verbrennen, musste er erst in die Reha kommen.
Feuerwehrmann Malzahn zeigt seine Hand. Um sich zu verbrennen, musste er erst in die Reha kommen.
Foto: Udo Gottschalk
Marl –  

Wo Patienten Hilfe suchen – da werden sie manchmal erst richtig krank!

23.000 Patienten-Klagen wegen Ärztepfusch-Vowürfen gingen im vergangenen Jahr ein; in knapp einem Drittel wurden sie von Gutachtern bestätigt.

Noch immer passieren die meisten Fehler bei Operationen . Aber immer häufiger wird auch in der Reha gepfuscht. Ein Opfer ist auch Klaus M. (66). Der Marler war 34 Jahre Feuerwehrmann, nie taten Feuer und Gluthitze ihm etwas an. Jetzt verbrannte er sich die Finger - in der Kur!

In einem zu hoch erhitzten medizinischen Kiesbett, in dem er seine Fingerfertigkeit verbessern sollte, zog er sich am 1. März Verbrennungen dritten Grades zu. Eine Höllen-Kur. Ausgerechnet bei der Maßnahme, mit der seine bei Diabetikern häufige Gefühlsstörung in den Fingern (Polyneuropathie) behandelt werden sollte.

„Ich sollte bunte Murmeln mit den Fingern herausholen, und habe meine Arbeit versehen“, erinnert sich der gepeinigte Patient. Er braucht gut zehn Minuten für 15 Stück.

Als er sich anschließend seine Hände genauer anschaut, schreit er vor Schreck: Die Fingerkuppen sind schwarzblau, angekokelt, schwellen in Sekundenschnelle an. Gespürt hat er die Hitze nicht - wegen seiner empfindungsarmen Finger.

Von Brandblasen entstellt: Die Finger von Klaus Malzahn nach dem Reha-Unfall.
Von Brandblasen entstellt: Die Finger von Klaus Malzahn nach dem Reha-Unfall.
Foto: privat

„Gucken Sie mal.“ sagt er der verdutzten Schwester, die zuvor die Temperatur der elektrisch beheizten Kiesel offenbar unzulänglich prüfte. - „Oh, dann müssen wir kühlen,“ sagt sie, holt Kühl-Akkus, packt sie auf die verbrannten Finger.

„In der Unfallambulanz hatte ich schon eine mindestens acht Millimeter dicke Blase“, so M. „Meine Hände wurden verbunden und mit Salbe behandelt.“

Abgeheilt sind sie bis heute nicht; die unter Pflaster versteckten Fingerkuppen sehen immer noch aus wie verstümmelt. Die Wunden werden zweimal wöchentlich kontrolliert, „glücklicherweise ist die Idee der Amputation vom Tisch.“ Der Mitarbeiterin will M. keinen Vorwurf machen, „das Gerät war einfach fehlerhaft.“

Nach der Panne sei es verschwunden, die Kur aber wurde ohne Rücksicht auf seine Verletzung durchgezogen: „Ich sollte an einer Sprossenwand hängen und Trampolin springen“. Dabei konnte er wochenlang nur mit Schmerzmitteln schlafen.

Die Finger heute. Die Blasen sind weg, die Kuppen nun schwarz verschorft.
Die Finger heute. Die Blasen sind weg, die Kuppen nun schwarz verschorft.
Foto: Udo Gottschalk

Eine offizielle Entschuldigung hörte er nie. Nicht zuletzt deshalb leitete er juristische Schritte gegen die Klinik ein. Sabrina Diehl (31), M.s Fachanwältin für Medizinrecht aus Marl, strebt einen außergerichtlichen Vergleich an.

„Es handelt sich um einen groben Behandlungsfehler, selbst wenn das Gerät defekt gewesen wäre, hätte man gerade bei einem Patienten mit Empfindungsstörungen in den Fingern die Temperatur genauer prüfen müssen.“ Es geht jetzt um 17.500 Euro Schmerzensgeld.

Die Klinik erklärte auf Anfrage. „Derzeit wird der Sachverhalt intern geklärt. Wir bemühen uns um eine zügige und gründliche Aufarbeitung des Vorfalls.“

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