Verschlungene Symbole, dunkle Geheimnisse und uralte Rituale: Nicht erst seit Dan Brown umweht den Bund der Freimaurer eine Aura des Mysteriösen.
Doch zum 275-jährigen Bestehen der ältesten Loge Deutschlands „Absalom zu den drei Nesseln“ zeigen sich die deutschen Freimaurer transparent. Für die Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten der Hamburger Loge reiste auch der Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, Rüdiger Templin.
Der Mediziner will das Jubiläum vor allem dafür nutzen, die Öffentlichkeit besser über die Freimaurer zu informieren.
Doch wer sind die Freimaurer eigentlich und was bedeutet ihr Augensymbol? Wir erklären die den alten Bund.
• Geschichte
Die Freimaurer sind im Spätmittelalter aus den englischen Gilden der Steinmetze (Freemasons) hervorgegangen. Sie sind noch heute in der Hierarchie von Lehrling, Geselle und Meister (Grade) organisiert. Am 24. Juni 1717 gründeten Freimaurer die „Erste Großloge von England“, es gilt weltweit als ihr Gründungsdatum.
Am 6. Dezember 1737 entstand in Hamburg die erste deutsche Loge „Absalom zu den drei Nesseln“. Die Freimaurer waren ursprünglich ein reiner Männerverein, heute gibt es auch Logen von Freimaurerinnen. Ihre Geheimniskrämerei und rituelle Symbolik lieferten Stoff für zahlreiche Legenden und Geschichten. Sie selbst halten die Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität hoch.
Berühmte Freimaurer waren George Washington und Johann Wolfgang Goethe.
• Freimaurer heute
Die Zahl der Freimaurer beträgt dem Großmeister Rüdiger Templin zufolge heute weltweit vier Millionen. In Deutschland sind es 14.000, davon etwa zehn Prozent in Hamburg. In den 40 Hamburger Logen sind 1.400 Mitglieder organisiert, davon etwa 100 Frauen.
Heutige Freimaurer haben nur noch wenig mit Steinmetzen zu tun, aus denen die Bruderschaft einst hervorgegangen ist. Bernd-Dieter Hessling, in der Absalom-Loge amtierender Meister vom Stuhl, wie die Vorsitzenden genannt werden, ist beispielsweise Wirtschaftsprüfer. Der Mediziner Templin ist der amtierende Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland.
• Das „allsehende Auge“
Großmeister Templin erläutert das Symbol im goldenen Dreieck und Strahlenkranz: „Es steht für den großen Baumeister aller Welten, in den jeder Freimaurer seine Religion hineininterpretieren kann.“ Denn sie stünden allen Glaubensrichtungen offen.
• Das Haus der ältesten Loge
Das Gebäude der Freimaurerloge „Absalom zu den drei Nesseln“ ist ein schmuckloser 70er-Jahre-Bau am Hamburger Gänsemarkt. „Die Nazis“, erklärt ein Freimaurer vor der Tür, „haben das schöne historische Logengebäude komplett abgerissen: Auf der Suche nach Geheimnissen.“ Die Nationalsozialisten hätten die Freimaurer auch wegen ihrer Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität verfolgt.
• Der Tempelraum mit Sternenhimmel
Entgegen dem Eindruck der tristen Fassade sind die Innenräume des Gebäudes prachtvoll geschmückt: Zwischen Halbsäulen zeigen Ölgemälde die alten Meister vom Stuhl (So heißen die Logen-Chefs). Über Holztüren hängen Tempelgiebel mit dem goldenen Symbol der Freimaurer: Winkelmaß und Zirkel - die Arbeitsmittel mittelalterlicher Steinmetze.
Holztüren führen zum Tempelraum. Königsblau und mit Sternen ist die Decke des rechteckigen Raums bemalt. „So sah der Nachthimmel über Hamburg am Gründungsdatum 6. Dezember 1737 aus“, erläutert Hessling. Am Ende des Tempelraums steht ein Zeremonienpult, geschmückt mit dem „allsehenden Auge“.
• Die Feierlichkeiten
Den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten haben die Freimaurer für September vorgesehen. Vom 15. bis zum 30. September soll eine Ausstellung im Rathaus über ihre Geschichte und Symbole informieren. Schließlich ist für Samstag (29. September) ein Festritual in Hamburgs Wahrzeichen geplant, der evangelischen Hauptkirche St. Michaelis. Freimaurer-Delegationen aus 60 Ländern haben sich angekündigt.
Eine derartige Zeremonie in einer christlichen Kirche? Die Protestanten akzeptierten die Vorstellung „von der Kirche als Bauwerk“, in dem auch nicht-christliche Veranstaltungen stattfinden könnten, sagt ein Freimaurer. Außerdem seien unter den Architekten des „Michel“ Freimaurer wie Ernst Georg Sonnin gewesen.
Sogar ein Geschenk bringen sie mit: Ein marmorner Brunnen für den Eingangsbereich der Kirche. Das Geschenk an die Kirche kommt dann doch nicht ohne Freimaurer-Symbolik aus: Der Fuß des Brunnens wird von einer Kette umschlossen. „Eine endlose Kette, die Weltbruderkette“, sagt Großmeister Templin.

Exakt 1725 Tage war Murat Kurnaz (31) Gefangener im US-Strafgefangenenlager Guantánamo. Nur, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Wir haben mit ihm gesprochen. Mehr...

„Ruby“ sagt endlich aus. Damit könnte die 20-jährige Marokkanerin Italiens Ex-Regierungschef stark belasten und die Sex-Vorwürfe konkreter machen. Mehr...

Drama auf dem Sportplatz: In Hamburg-Harburg ist am Freitagabend ein siebenjähriger Junge von einem Fußballtor erschlagen worden. Mehr...
