Freitag, 3. Juni 2011
Blut-Durchfall

EHEC-Alarm! Experte hält Anschlag für möglich


Foto: dpa
Berlin/Nürnberg –  

Erst waren die spanischen Gurken die Übeltäter - jetzt soll wird sogar ein krimineller Hintergrund nicht mehr ausgeschlossen:

Der Berliner Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow hält einen Anschlag für möglich. Die Bundesregierung hat allerdings keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund, wie ein Sprecher am Freitag sagte.

Zastrow, Chefarzt für Hygiene an den Vivantes-Kliniken in Berlin, sagte im dapd-Interview: „Es kann durchaus sein, dass ein Schwachkopf unterwegs ist und denkt, ich bringe mal ein paar Leute um oder verpasse 10.000 Leuten Durchfälle. Das aus dem Blickfeld zu nehmen, halte ich für einen Fehler und geradezu fahrlässig.“ Einen Terroranschlag halte er allerdings für unwahrscheinlich: „Dafür wären die typischen Bekennerschreiben typisch - und die gibt es ja nicht.“

Er betonte, die Bakterien könnten durchaus von Kriminellen oder Terroristen produziert werden. Wer Geld habe, könnte Labore beauftragen, die sich mit solchen Dingen beschäftigten. Gerade die Tatsache, dass es sich um einen völlig neuen Stamm handele, lasse ja auch an ein Kunstprodukt denken. „Wenn wir es jetzt mit einem völlig neuen Keim zu tun haben, muss man auch fragen, woher er kommt“, sagte Zastrow. Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Jens Teschke, erklärte, es gebe kein Hinweise auf bioterroristische Aktivitäten.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vermutet allerdings keinen Anschlag, sondern glaubt, dass Fleisch der Verursacher für die gefährliche Darmkrankheit ist.

Demnach werden Infektionen mit dem EHEC-Erreger in den häufigsten Fällen durch das Essen von Fleisch verursacht. Darauf hat der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, am Freitag in Nürnberg hingewiesen.

„In aller Regel erfolgt eine Infektion über Fleischverzehr.“ Eine Übertragung durch Gemüse sei „eher selten“, betonte der LGL-Präsident.

„Man kann davon ausgehen, dass die Infektionsquelle im Raum Hamburg zu suchen ist“, sagte der Experte.

Die Jagd nach dem Keim

Wer ist an der Suche nach dem EHEC-Erreger beteiligt?

15 Spezialisten des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind durch Hamburgs Kliniken gezogen, versuchen herauszubekommen, was die EHEC-Patienten gegessen haben. Auch Gesundheitsbehörde und Gesundheitsämter sind eingebunden.

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