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Die Mordakte Nitribitt: Wiedergefundene Dokumente erzählen vom Sextreiben


Rosemarie Nitribitt. Der Mord an der bekanntesten Hure Deutschlands wurde nie aufgeklärt.
Rosemarie Nitribitt. Der Mord an der bekanntesten Hure Deutschlands wurde nie aufgeklärt.
Foto: AP
Frankfurt/Main –  

Eine heitere schöne Frau sitzt in der Badewanne, hat die Arme über dem Busen verschränkt und strahlt ihren Liebhaber an. Es ist Rosemarie Nitribitt, die berühmteste Hure der 50er Jahre.

Mit 24 Jahren wird sie in ihrer Wohnung erwürgt aufgefunden. Als es zum Mordprozess kommt, zittern ihre mächtigen und reichen Freier – angesichts intimer Aussagen beim Verhör. Unnötig wie sich herausstellt.

Die Protokolle gehen kurz vor Prozessbeginn verschollen. 56 Jahre später sind sie jetzt wieder aufgetaucht – in den Tiefen des Archivs der Frankfurter Polizei.

Herzstück der 22 Akten ist ein Spurenbuch im Kriminalfall 68331/57. In ihm sind sämtliche Tatverdächtige bis in das Jahr 1972 enthalten. Die Dokumente wurden auf Grund eines Ermittlungsverfahrens wegen Aktenunterschlagung entdeckt und nun freigegeben. Dem Nachrichtenmagazin „Focus“ liegen sie vor.

Gunter Sachs berichtet in seiner Vernehmung von einem flotten Dreier.
Gunter Sachs berichtet in seiner Vernehmung von einem flotten Dreier.
Foto: dpa

Einer der prominentesten Verdächtigen ist Industriellen-Erbe Gunter Sachs. Der mittlerweile Verstorbene schildert, wie er als 24-Jähriger die Nitribitt von einer Party des Industriellen Harald Quandt nach Hause gebracht und mit ihr und einer Freundin zu dritt Sex gehabt hat.

Nachdem „wir uns alle drei befriedigt hatten“, so der Playboy, habe Rebecca (so nannte sich die Nitribitt in gehobenen Kreisen), bei ihm auch noch „Mundverkehr“ ausgeführt. Was Sachs besonders schmeichelte: Beim ersten Mal verlangte sie kein Geld für ihre Dienste. Er habe dann gefragt, ob er beim nächsten Mal einen Homosexuellen mitbringen soll.

Die Ermittlungen führten auch zu Prinzen, Fürsten, Baronen, Rennfahrern und milliardenschweren Industriellen. So gestand auch Rüstungsunternehmer Harald Quandt der Polizei, mehrfach mit Nitribitt verkehrt zu haben – aus Gelegenheit, als seine Frau nicht zu Hause war. Die Bezahlung ihrer Dienste habe Rosemarie „seiner Großzügigkeit“ überlassen.

„Ich gab ihr 150 Mark. Wir zogen uns beide nackt aus und übten den Geschlechtsverkehr auf ganz normale Weise aus“, zitiert „Focus“ Quandt aus den Akten. Eine Zeugin will seinen Fahrer kurz vor der Entdeckung des Mordes in der Nähe gesehen haben. Doch Quandt gab den Direktor der Frankfurter Bank als Alibi an.

Spur 32 enthält ein belastendes Gutachten gegen Krupp-Spross Harald von Bohlen und Halbach. Für den Junggesellen (41) war die Nitribitt eine Flucht vor den Kuppel-Versuchen der Society.

Haralds Fingerabdruck hatte ein Gutachten einwandfrei auf einer Flasche Beaujolais am Tatort identifiziert. Doch Hausmädchen, Sekretärin und der Chauffeur der Krupps gaben Harald ein Alibi ...

Der Mythos Rosemarie Nitribitt

Die gebürtige Düsseldorferin soll als Edelhure bis zu 100.000 Mark in Frankfurt verdient haben. Ihre Markenzeichen: schwarzer Mercedes 190 SL mit roten Ledersitzen und ein weißer Pudel.

Am 1. November 1957 wurde sie erwürgt in ihrer Wohnung gefunden – im Alter von 24 Jahren.

Während die Polizei prominente Kunden der Lebefrau schützte, wurde Heinz Pohlmann angeklagt. Der verschuldete Hochstapler wurde allerdings mangels Beweisen freigesprochen.

Bis heute ist der Tod an der Nitribitt ungeklärt.

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