Mittwoch, 31. August 2011
„System Wiesenhof“

Der Bruzzzler-Skandal


Der Bruzzzler-Skandal

Dieter Bohlen stoppte seine Werbung für den Wiesenhof-Bruzzzler, nachdem die Tierquäler-Vorwürfe gegen die Firma aufkamen.

Foto: PR
Hannover –  

Der Bruzzzler-Skandal – und kein Ende. Schon wieder ist der Wiesenhof-Konzern in die Kritik geraten. Vorwurf: erhebliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, gegen die Schlacht- und Transportverordnung. Die Tierschutz-Organisation Peta erstattet erneut Anzeige. Einen TV-Bericht zu den Vorwürfen wollte Wiesenhof mit aller Macht verhindern.

Wenn es um Geflügel geht, denken die meisten an Wiesenhof. Die Bruzzzler-Marke ist in ganz Deutschland bekannt. Der Konzern hinter Wiesenhof, die PHW-Gruppe, ist Marktführer, produziert mehr als 270 Millionen Hühner pro Jahr. Woche für Woche werden etwa 4,5 Millionen Hähnchen geschlachtet. Doch die Zustände in den Ställen und Schlachthöfen der Firma sollen katastrophal sein.

Bereits vergangenes Jahr war Wiesenhof wegen der Zustände in einer Anlage im niedersächsischen Twistringen ins Gerede geraten. Der Konzern wollte daraufhin Konsequenzen ziehen. Viel soll aber nicht passiert sein. Die ARD strahlt am Mittwoch um 21.45 Uhr den Bericht „Das System Wiesenhof. Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und Umwelt ausbeutet“ aus. Recherchiert hatten Monika Anthes und Edgar Verheyen in verschiedenen Wiesenhof-Ställen und Schlachthöfen in ganz Deutschland. Auch der Betrieb in Twistringen wurde erneut besucht.

Anthes zum KURIER: „Unsere Recherchen zeigen schlechte Haltungsbedingungen. Die Hühner sitzen auf ihrem eigenen Kot. Ihr Zustand ist augenscheinlich schlecht. Es sind Tonnen mit Hunderten Kadavern zu sehen.“ Es werden auch die Verlade-Praktiken gezeigt. Anthes: „Laut unserer Informanten hat sich bei Wiesenhof nichts geändert.“ Insider würden von Mängeln bei der Hygiene und fragwürdigen Arbeitsbedingungen sprechen. Anwohner der Mastanlagen beschweren sich über Gestank und Umweltbelastungen. Wiesenhof bestreitet das.

Die Ekel-Brutzler von Berlin

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Noch vor der Ausstrahlung legte Wiesenhof Programmbeschwerde ein, reichte eine Unterlassungsaufforderung ein. Die angekündigten Inhalte verletzten Programmgrundsätze wie gewissenhafte Recherche, Ausgewogenheit, Wahrheit und Sachlichkeit, heißt es. Außerdem kritisierte Wiesenhof-Gründer Paul-Heinz Wesjohann in einem Brief an TV-Direktor Bernhard Nellessen, die Redaktion lasse sich von einer Kampagne „radikaler Tierschützer“ instrumentalisieren. Gemeint damit dürfte Peta sein.

Am Donnerstag will die Gruppe eine Undercover-Reportage über die Wiesenhof-Praktiken vorstellen. Sie soll das Handling von Puten beim Verladen zeigen, das zu Verletzungen, Knochenbrüchen führt. Peta-Sprecher Edmund Haferbeck zum KURIER: „Es sind brutale Bilder. Die Tiere werden in Verlade-Kisten geworfen, andere totgetreten.“ JK

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