Patienten werden in Madrid derzeit immer öfter auch in Hotels untergebracht. AFP/Gabriel Bouys

Die Lage in Spanien ist dramatisch. Bis Mittwochmittag hatten sich laut der John Hopkins Universität mehr als 47.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-Cov-2 infiziert. Mehr als 3400 Menschen starben bislang an den Folgen – und damit mehr als in China, wo das Virus erstmals aufgetaucht war. Obwohl seit dem 15. März eine Ausgangssperre im gesamten Land gilt, steigen die Zahlen weiter an – auch, weil sich nicht alle an die Regeln halten. Nun wurde bekannt, dass sogar infizierte Menschen aus den Krankenhäusern des Landes fliehen.

Derartige Fälle habe es laut Jose Ángel González, dem Direktor der Nationalpolizei, bereits in verschiedenen Kliniken gegeben. Das bereite den Sicherheitsbehörden unnötigerweise eine „Riesenarbeit“, um diese Patienten ausfindig zu machen und wieder in die Krankenhäuser zu bringen, sagte er am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz in Madrid. Allein in den vergangenen Stunden habe es nach Angaben des Polizeidirektors in Leganés bei Madrid sowie im Küstenort Benidorm im Osten Spaniens zwei solcher Fälle gegeben. 

González klagte, neben solchen Patienten gebe es auch sonst „ziemlich viele verantwortungslose“ Bürger, die etwa die vor eineinhalb Wochen verhängte Ausgangssperre verletzten. Allein in den vergangenen 24 Stunden habe man im Rahmen des sogenannten Alarmzustandes 80 „verantwortungslose und unsolidarische“ Personen festnehmen müssen.

Madrids Hotels öffnen für Klinik-Personal

Doch auch die Situation in den spanischen Krankenhäusern ist dramatisch. Am Montag meldeten die Behörden, dass alle sechs Minuten ein Corona-Patient sterbe. Die Intensivstationen sind überfüllt. Um das Krankenhauspersonal, das seit Tagen unter Dauerbelastung steht, ein bisschen zu entlasten, haben nun mehrere Hotels in Madrid ihre Zimmer zur Verfügung gestellt. Klinikmitarbeiter, die außerhalb der spanischen Hauptstadt leben, wegen ihrer Dienstzeiten nah am Krankenhaus sein müssen oder zu Hause mit gefährdeten Menschen wohnen, könnten sich in acht über Madrid verteilte Hotels von den Strapazen bei der Arbeit erholen. Derweil werden Hotels, aber auch andere ungenutzte Gebäude, wie die Messe zu Krankenstationen umgebaut.