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Mittwoch, 21. März 2012

„Tofu ist schwules Fleisch“: Riesen-Zoff um „Maredo“-Werbung

Von FELIX HORSTMANN

Ein weiterer Plakatentwurf von Scholz & Friends. Darauf heißt es: Wenn man Tiere nicht essen soll warum sind sie dann aus Fleisch?
Ein weiterer Plakatentwurf von Scholz & Friends. Darauf heißt es: "Wenn man Tiere nicht essen soll warum sind sie dann aus Fleisch?"
Foto: Scholz & Friends
Hamburg –  

Großer Wirbel im Internet! Im Kreuzfeuer der Kritik: Die Steakhaus-Kette „Maredo“ und die Hamburger Werbeagentur „Scholz & Friends“. Schwulen-Verbände, Politiker und Vegetarier laufen Sturm, fordern Entschuldigungen und planen einen Boykott.

Anlass ist der Werbe-Entwurf mit dem Slogan „Tofu ist schwules Fleisch“ – dabei ist diese Anzeige niemals erschienen.

Das Motiv wurde 2009 für eine Kampagne entworfen, dann aussortiert, nun geistert es durchs Netz. Und es löste bundesweit eine Welle der Empörung aus. „Das ist ein völliger Fehltritt!“, sagt Farid Müller (49). Der medienpolitische Sprecher der Grün-Alternativen Liste Hamburg (GAL) und bekennende Schwule betont: „Ich schäme mich dafür, dass so etwas passieren konnte. ‚Scholz & Friends‘ muss sich entschuldigen!“

Ärger erreicht die Bundespolitik

Die Agentur hatte das umstrittene Plakat entworfen: Ein Steak auf einem Holzbrett, in das der Slogan „Tofu ist schwules Fleisch“ eingebrannt ist. Das Motiv ist Teil einer preisgekrönten Kampagne und reiht sich ein hinter Sprüchen wie „Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?“

Darf Werbung so weit gehen? Nicht nur im Internet ist man sich sicher: Nein! Inzwischen reicht der Ärger bis in die Bundespolitik: Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (51, Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert das Motiv scharf.

„Schwule seien keine richtigen Männer, Lesben keine richtigen Frauen, Tofu kein richtiges Fleisch – wer so etwas denkt, ist nicht ganz bei Trost“, sagt der bekennende Homosexuelle Beck. Deshalb fordert er eine „aktive Wiedergutmachung“ durch die Werbeagentur.

Und was sagt „Maredo“? Die Steakhouse-Kette weist auf der eigenen Homepage darauf hin, dass dieses Motiv niemals Werbung für das Unternehmen gewesen sei – sondern „vielmehr ein Wettbewerbs-Beitrag einer Werbeagentur, der nie beauftragt oder genehmigt“ wurde.

Das Motiv sollte nie an die Öffentlichkeit

Auf Nachfrage bei „Scholz & Friends“ bestätigt Sprecher Markus Mayr, dass dieses Motiv nur Teil der Grundidee einer Kampagne aus dem Jahr 2008 gewesen sei. Mayr: „Die fand der Kunde auch gut und hat sie so auch freigegeben. Lediglich dieses eine Motiv wurde abgelehnt und ist aufgrund eines Missverständnisses in unserem Haus trotzdem an die Öffentlichkeit gelangt.“

Das war bereits 2009. Erst jetzt sorgt der aussortierte Entwurf für Aufregung. Mayr: „Das Netz vergisst nichts. Wir haben ja probiert, das Motiv wieder zu entfernen.“

Offensichtlich ohne Erfolg. Kritisiert wird der Slogan auf Facebook, Twitter und diversen Internetseiten. Dass das Motiv niemals Teil einer öffentlichen Kampagne war und „Maredo“ es ablehnte, spielt dabei keine Rolle. Für die User reicht es, dass „Maredos“ Logo auf dem Plakat abgedruckt ist.

„Scholz & Friends“-Sprecher Markus Mayr sagt: „Wir können nur dazu sagen, dass wir diese Anzeige heute so nicht mehr machen würden.“ Er betont: „Natürlich bedauern wir es, dass wir durch diese Anzeige die Gefühle von Homosexuellen verletzt haben.“

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