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Prozess in Osnabrück: Unfassbar! Vergewaltiger (17) will Schmerzensgeld

Weil der Wirt ihm vor der Tat Alkohol verkaufte, fordert der 17-Jährige jetzt Schmerzensgeld vor Gericht.

Weil der Wirt ihm vor der Tat Alkohol verkaufte, fordert der 17-Jährige jetzt Schmerzensgeld vor Gericht.

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dpa (Symbolfoto)

Osnabrück -

Es ist einer dieser Prozesse, der sprachlos macht. Ein verurteilter Vergewaltiger will Schmerzensgeld. Und zieht deshalb vor Gericht. Dort wird die Sache ernsthaft verhandelt. Die 9. Zivilkammer des Landgerichts wird am 15. Mai das Urteil verkünden.

Der Fall: In der Nacht zum 18. Juli 2010 hatte der damals 16-Jährige nach einem Disco-Besuch eine junge Frau attackiert, sie mit Faustschlägen auf den Kopf schwer verletzt und vergewaltigt. Er war im Rahmen eines Massengentests gefasst worden.

An diesem Test hatte er zunächst zwar nicht teilgenommen, war aber später durch einen Gerichtsbeschluss dazu gezwungen worden. Die DNA überführte ihn dann .

Obwohl er die Tat entschieden bestritt, war er vor dem Landgericht Osnabrück zu einer fünfjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Da der BGH eine Revision verworfen hat, ist das Urteil rechtskräftig.

Das Opfer klagt nun auf ein Schmerzensgeld von 60.000 Euro. Und in diesem Zusammenhang hat der Vergewaltiger nun selbst Klage erhoben. Er will, dass der Wirt, der Türsteher und der Kassierer der Disco die Hälfte des Schmerzensgeldes bezahlen.

Sie hätten ihn damals in die Disco gesetzwidrig eingelassen und ihm harten Alkohol verkauft. Und deshalb trügen sie auch eine Mitschuld an dem späteren Verbrechen. Und genau deshalb hätten sie auch die Hälfte des Schmerzensgeldes zu tragen.

Bei der Familie des Opfers stieß diese Klage auf völliges Unverständnis, zumal der inzwischen 20-Jährige während des Vergewaltigungsprozesses ja jede Schuld an dem verbrechen bestritten hatte. Der Anwalt der Familie: „Es wäre besser gewesen, das Geld für diesen Prozess zur Wiedergutmachung des Schadens zu benutzen.“

Immerhin: Die Richter der 9. Zivilkammer wollen dem Anwalt des Vergewaltigers nun noch einmal Zeit geben, seine Rechtsauffassung ausgiebiger zu begründen. Ob die Klage allerdings Aussicht auf Erfolg hat, ließen die Richter allerdings dahin gestellt.