E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Promi-Ehen: Wenn Politik die Liebe frisst


Sie pendelte zwischen Berlin und ihrem Bauernhof in Weiler (Rheinland Pfalz) – und somit zwischen zwei Leben. In der hektischen, politischen Hauptstadt klotzte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles seit Jahren so richtig ran. Zeit fürs Private blieb da kaum – auch wenn sie ihren Job nicht mit nach Hause nahm und sich abschottete, wie sie oft sagte.

Jetzt haben sich Nahles (45) und ihr Ehemann, der Kunsthistoriker Marcus Frings (51), getrennt (KURIER berichtete). Ihre Tochter Ella Maria (fünf Jahre alt) wollen sie weiterhin gemeinsam großziehen. Sie seien einvernehmlich auseinandergegangen, beteuern sie.

War Stress der Liebeskiller? Das ewige Hin und Her, der Alltag, die Hektik, das Pensum? Vermutlich. Andrea Nahles ist nicht die erste Politikerin, deren Beziehung in die Brüche gegangen ist. Es zieht sich quer durch alle Parteien.

Natürlich gibt es Ausnahmen – wie Dauer-Gattin Angela Merkel (61), die seit 1998 mit Joachim Sauer (66) verheiratet ist. Allerdings ist dies auch ihre zweite Ehe. Doch viele Paare überleben den Spagat zwischen Alltag und zeitaufwendigen Job nicht.

Erst vor kurzem trennte sich Torsten Albig (52), SPD-Ministerpräsident von Schleswig- Holstein, nach Jahren von seiner Frau Gabriele. Die neue Frau in seinem Leben ist die Kieler Unternehmerin Bärbel Boy (47). Zu den Gründen erklärte Albig: „Wie bei anderen Ehepaaren auch hat vieles über eine lange Zeit zu diesem schweren Schritt beigetragen.“ In der Trennungsphase habe er dann seine neue Partnerin kennen und lieben gelernt. Albig und seine Frau haben zwei Kinder.

Auch bei Genosse und Altkanzler Gerhard Schröder ( 71, zum vierten Mal verheiratet) scheiterte 2015 die Ehe mit Doris Schröder-Köpf (52). Wenn auch nur für kurze Zeit. Die beiden sollen sich wieder versöhnt haben. Genauso wie das Ehepaar Wulff, dass nach seinem Aus als Bundespräsident getrennte Wege ging. Inzwischen ist Bettina Wulff (42) zurückgekehrt. Für Wulff (56) ist es bereits die zweite Ehe.

Eifrigster Eheschließer ist allerdings immer noch Grünen-Politiker Joschka Fischer (67) – der Ex-Außenminister ist zum fünften Mal verheiratet.

Dann wäre da noch Linken-Politiker Oskar Lafontaine (72), der seine Frau Christa (59) nach 20 Jahren für Genossin Sahra Wagenknecht (46) verließ. Günther Oettinger (62), der 2007 plötzlich Kurzzeit-Single war. Nicht zu vergessen Linken-Politiker Gregor Gysi, dessen Ehe mit Gattin Andrea nach 14 Jahren in die Brüche ging. Eine Neue soll es auch schon geben.

Warum scheitern Politiker-Ehen so oft? Psychologe Sebastian Bartoschek zum KURIER: „Es ist schwierig, eine Beziehung zu führen, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Das gilt für Politiker wie für Promis.“ Die Gründe – vielseitig. Hänge mal der Haussegen schief, müsse man anderen eine heile Welt vorspielen. „Da kann man den Partner nicht einfach mal wütend auf einer Veranstaltung stehen lassen“, so der Experte.

Hinzu komme das hohe Arbeitspensum, die vielen daraus entstehenden Wochenendbeziehungen, „nicht gerade ein familienfreundliches Modell“, der fehlende Austausch mit dem Partner, der oft in einer ganz anderen Welt lebt. 

Und die Versuchung? Bartoschek: „Es gibt mehrere Faktoren in der Psychologie, die die Stabilität einer Beziehung ausmachen. Eine davon sind Alternativmöglichkeiten. Wenn man die Realität, den Berufsalltag öfter mit anderen anstatt dem Partner teilt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Beziehungen finden.“ Hinzu komme, dass es im Gegensatz zu früher nicht mehr so sei, dass der Partner daheim warte und sich zurückstelle. „Dieses alte Rollenbild ist zum Großteil überholt.“