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Neue Erkenntnisse: Pariser Angreifer hatte Frauen in Kölner Diskothek begrapscht

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Salihi hatte Frauen in einer Kölner Diskothek begrapscht.

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Polizei NRW

Neue Details über den getöteten Angreifer von Paris: Am vergangenen Donnerstag erschossen Polizisten dort einen Mann, der sie mit einem Schlachterbeil attackieren wollte. Mittlerweile wurde bekannt: Salihi hat den Angriff alleine ausgeführt. Er lebte zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Recklinghausen, verherrlichte die IS-Terrormiliz und war der Polizei gut bekannt.

Im Rahmen der Ermittlungen haben sich bislang keine Erkenntnisse ergeben, die darauf hindeuten, dass sich Personen aus seinem Umfeld mit konkreten Anschlagsvorbereitungen beschäftigen.

„Wir stehen in engem Kontakt mit den französischen Sicherheitsbehörden, dem Bundeskriminalamt und der Stadt und der Polizei Recklinghausen. Wir nehmen jeden Hinweis auf mögliche Terrorgefahren sehr ernst,“ sagt der Direktor des Landeskriminalamtes NRW, Uwe Jacob.

Das LKA NRW hat ein Lichtbild des getöteten Attentäters veröffentlicht und bittet um sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung.

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Der Angreifer trug die Attrappe eines Sprengstoffgürtels.

Foto:

AP

Polizei kannte Täter unter mehreren Namen

Der Mann spielte den deutschen Behörden mindestens sieben verschiedene Identitäten vor, verübte zahlreiche Straftaten und verbüßte im August eine einmonatige Freiheitsstrafe, so der Direktor des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob.

Gegen den Mann sei unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel und Körperverletzung ermittelt worden.
Er lebte bis Dezember in Recklinghausen. In seinen Räumen wurden zwei von ihm gefertigte Zeichnungen der Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Außerdem sicherten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sowie DNA-Spuren und Fingerabdrücke.

Darunter auch zahlreiche Dokumente (überwiegend in arabischer Schrift), Datenträger und sonstige Gegenstände, u. a. drei Einfassungen von SIM-Karten sowie zwei Küchenmesser. An der Wand einer Waschküche wurde der Schriftzug „DAWLA ISLMIA BAQIA“ (Islamischer Staat auf ewig) festgestellt und fotografisch gesichert.

„Es wurden keine Schusswaffen und kein Sprengstoff gefunden. Es haben sich keine Hinweise auf weitere mögliche Anschläge ergeben. Die Auswertung der Durchsuchungsergebnisse dauert an“, erklärte der Direktor des Landeskriminalamtes NRW, Uwe Jacob, heute in Düsseldorf.

Polizisten mit Schlachterbeil attackiert

Der mutmaßliche Islamist war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“, an einer Polizeistation in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte „Allah ist groß“ gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn.
Jetzt ergaben die Ermittlungen der Polizei: Im Jahr 2013 war der Mann zum ersten Mal nach Deutschland eingereist und soll davor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt haben, sagte Jacob.

Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier. „Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist.“

Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen und habe von der Stadt eine „Aufenthaltsgestattung“ bekommen.

Keine Verbindungen zu Terror-Netzwerken

Die deutschen Ermittler gehen laut Jacob davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, der sich radikalisiert habe. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Netzwerk im Hintergrund stehe.

Eine 60-köpfige Ermittlungskommission arbeite unter Hochdruck an der Aufklärung der wahren Identität des Mannes, sagte Jacob.

Bei Durchsuchungen in dem Recklinghäuser Asylbewerberheim seien Datentäger, Handy-Sim-Karten und Zettel in arabischer Sprache sichergestellt worden.
Das Strafverfahren gegen ihn in Bezug auf die IS-Fahnen sei wieder eingestellt worden. „Wenn jemand zwei IS-Fahnen gezeichnet hat, heißt das nicht, dass wir ihn rund um die Uhr bewachen können“, sagte Jacob auf die Frage, ob die Behörden Fehler gemacht hätten.

Täter hatte Papiere von verurteiltem Straftäter bei sich

Laut französischen und deutschen Angaben wurden bei dem erschossenen Angreifer Personalpapiere gefunden, die ihn als Tarek Belgacem auswiesen. Ein Mann unter diesem Namen sei am selben Tag in Abwesenheit von einem französischen Strafgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

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