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Kripo-Chef: Lasst die Leute doch einfach kiffen!

Jetzt schon werden Cannabis-Konsumenten in Deutschland nicht strafrechtlich verfolgt - illegal ist der Konsum dennoch.

Jetzt schon werden Cannabis-Konsumenten in Deutschland nicht strafrechtlich verfolgt - illegal ist der Konsum dennoch.

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imago stock&people

Hamburg -

Als Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) vertritt André Schulz (44) bundesweit 15000 Kripoleute. Er macht sich im KURIER-Interview dafür stark, dass Drogenkonsum in Deutschland künftig straffrei sein soll.

KURIER: Die US-Regierung hat den Drogenkrieg als verloren bezeichnet. Wie ist das in Deutschland?

André Schulz: Wir denken, dass es intelligentere Lösungen gibt, als sie im Rahmen der Drogenpolitik angewendet werden.

Welche?

Wir fragen uns: Bringt ein Drogenverbot etwas? Sind Drogenkonsumenten wirklich Kriminelle? Muss man sie mit dem Strafrecht verfolgen? Oder sind das Bereiche, die nicht strafbar sein sollten und um die man sich zwar kümmern muss, auch unter dem Aspekt des Kinder- und Jugendschutzes. Aber wo das Strafrecht außen vor bleiben sollte. Wir fragen uns, ob eine komplette Prohibition sinnvoll ist.

Und ist sie sinnvoll?

Die Folgen bei Drogenmissbrauch, vor allem von jungen Menschen sind nachgewiesen. Aber das sind auch die Folgen von übermäßigem Alkoholgenuss. Und Alkohol gibt es im Supermarkt frei zu kaufen.

75 Prozent aller polizeilich ermittelten Drogendelikte sind Konsumenten-Delikte. Ist der Arbeitsaufwand, den die Kripo bundesweit treibt, noch zeitgemäß?

Teilweise. Zunächst besteht erstmal der Anfangsverdacht einer Straftat. Wir haben natürlich auch ein Interesse die Probanden zu kennen. Aber nehmen sie Portugal, dort hat man den Konsum entkriminalisiert. Dort schreibt die Polizei einen Bericht an eine Kommission, die den Betreffenden vorlädt und die ihm Hilfe anbietet. Der Staat nimmt so seine Fürsorgepflicht wahr, ohne dass Konsumenten strafrechtlich verfolgt werden.

Sie sind gegen die Strafverfolgung von Konsumenten in Deutschland?

Genau. Das ist unser Ziel. Wir unterstützen deswegen auch die Forderung von 122 Strafrechtsprofessoren. Strafrecht ist was Konsumenten betrifft nicht das geeignete Mittel.

Also sollte das Betäubungsmittelgesetz geändert werden?

Das Ziel sollte sein, den Konsum in Deutschland zu entkriminalisieren. Wir müssen uns mit der Problematik beschäftigen, neu denken und prüfen, ob unsere Drogenpolitik gescheitert ist. Noch nie gab es so viele Drogenkonsumenten wie heute und das trotz eines kompletten Drogen-Verbotes.

Interview: Thomas Hirschbiegel