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Eurovision Song Contest: Jamala, die singende Ohrfeige für Putin

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Jamala (32) selbst ist gebürtige Krim-Tatarin. Gewidmet hat sie den Song „1944“ ihrer Großmutter.

Foto:

dpa

Kiew -

Das wird brisant: Die Teilnahme der Ukraine beim diesjährigen Eurovision Song Contest ist ein echtes Politikum. Sängerin Jamala (32) wird für die Ukraine mit ihrem Lied „1944“ antreten.

Der Titel spielt auf die grausame Deportation der Krim-Tataren im Zweiten Weltkrieg unter Diktator Josef Stalin an. Ganz offensichtlich wird auch auf die Annexion der Krim durch Russland vor zwei Jahren angespielt. Eine singende Ohrfeige für Putin...

Beim ESC sind politische Texte eigentlich untersagt. Doch dieser Titel hat es in sich: Der halb auf Englisch halb auf krimtatarisch geschriebene Song, wurde am Sonntag zum offiziellen Beitrag beim Contest gewählt.

„Wo ist Euer Verstand geblieben? Die Menschheit weint. Ihr denkt, Ihr seid Götter. Aber alle sterben“, heißt es übersetzt in dem Lied.

Woher kam die Idee für den Song

Jamala (bürgerlich: Susana Jamaladinowa), die selbst Krimtatarin ist, wird damit für die Ukraine antreten. Seit der Annexion hat sie ihre Heimat nicht mehr betreten. Den Text, der ausdrücklich nur die Ereignisse von vor 70 Jahren beschreibt, hat sie ihrer Großmutter gewidmet. Denn die Oma wurde selbst von der Krim vertrieben und hat ihrer Enkelin von schrecklichem Leid berichtet. Stalin ließ im Jahre 1944 insgesamt 180 000 Tataren als Nazi-Kollaborateure nach Asien deportieren. Tausende kamen ums Leben.

Politische Sprengkraft besitzt das melodische Stück aber erst im aktuellen Kontext: Seit der Krim-Annexion berichten die dort lebenden Tartaren über neue Repressionen. Der einzige TV-Sender der Minderheit wurde von den Russen vom Netz genommen.

In der ukrainischen Jury saß auch Ruslana, die ESC-Gewinnerin von 2004 . Sie stärkt ihrer Kollegin den Rücken: „Jamala berührte mich für alles, was passiert. Das ist absolute Originalität. Das ist die tiefe Ukraine, die wirkliche Ukraine und die starke Ukraine.“