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Buch-Veröffentlichung "Gottlose Type": Petra Pau lüftet ihre unfrisierten Geheimnisse

Kurze, rote Haare und ihre direkte Art Dinge anzusprechen sind charakteristisch für Petra Pau.

Kurze, rote Haare und ihre direkte Art Dinge anzusprechen sind charakteristisch für Petra Pau.

Foto:

Lebie

Berlin -

Petra Pau (51) ist einer der markantesten Köpfe des Deutschen Bundestags. Und diesen Ruf verdankt sie nicht nur ihrer berühmten, roten Kurzhaar-Frisur. Die Linken-Politikerin mit Wahlkreis in Marzahn-Hellersdorf spricht Klartext – für eine gerechtere Gesellschaft. In ihrem Buch „Gottlose Type“ erzählt sie 50 „unfrisierte Erinnerungen“.

KURIER: Frau Pau, gehen Sie jetzt unter die Star-Autoren?

Petra Pau: Das Buch war kein großer Plan. Aber es gab im Herbst 2014 ein Schlüsselerlebnis, als ich Kuratoriumsmitglied der „Stiftung Aufarbeitung“ wurde. Ich hatte eine junge Mitarbeiterin (Jahrgang 1992) dabei – und merkte, dass sie über DDR und Wiedervereinigung nur wenig wusste. Selbst den Spitznamen „Birne“ für Ex-Kanzler Helmut Kohl kannte sie nicht.

Und da haben Sie beschlossen, für Nachhilfe zu sorgen?

Ich habe festgestellt, dass die junge Studentin kein Einzelfall ist. Ihre Generation empfindet die Zeit vor 25 Jahren teils nicht mehr als ihre Geschichte. Mir war es aber schon immer wichtig, politische Vorgänge konkret und fasslich zu erklären. Daraus entstand die Idee, anhand eigener Erlebnisse die Hintergründe politischer Entscheidungen zu schildern. Da ist etwa Hartz IV ...

Sie waren bei der Bundestags-Abstimmung 2003 dabei.

Ein schwarzer Tag! Am 19. Dezember fand die letzte Sitzung vor der Weihnachtspause statt. Wir bekamen das Gesetzeswerk aus dem Vermittlungsausschuss – und sollten noch schnell darüber abstimmen. Die 600 Seiten konnte niemand gelesen haben, weshalb Gesine Lötzsch (Linke) und ich eine Verschiebung beantragten. Notfalls hätte es eine Sondersitzung am 22. Dezember geben müssen. Plötzlich schallte ein Fluch durch den Saal: „Gottlose Type!“ Es war Peter Ramsauer (CSU), er meinte mich.

Er wollte nicht, dass Sie ihm das Weihnachtsfest versauen?

Der Kollege wäre noch rechtzeitig zur Geburt von Jesus Christus zu Hause gewesen. Es ging aber tatsächlich darum, die Entscheidung vor Weihnachten durchzupauken. Sogar die Grünen plädierten für eine Sofort-Abstimmung. So wurde ein Gesetz eilig durchgedrückt, das inzwischen Millionen Menschen in soziale Notlagen gestürzt hat.

Der Fluch „Gottlose Type“ ist auch der Titel Ihres Buches. Darf man das zusätzlich als Statement zur Religion sehen?

Nein. Es gibt natürlich das Vorurteil, dass alle Ex-DDR-Bürger „gottlos“ seien. Aber das ist Unfug. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass ich in einen evangelischen Kindergarten in Lichtenberg gehen konnte. Ich habe das Christentum kennengelernt, bin getauft und konfirmiert. Das Wissen über die verschiedenen Religionen hilft uns, die eigene und andere Kulturen besser zu verstehen. Dafür brauchen wir keinen staatlichen Religionsunterricht, aber das Wissen schon.

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