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Berühmter Sohn: SPD-Chef Sigmar Gabriel lässt kranken Vater allein

Den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel trennen Welten von den politischen Überzeugungen seines Vaters Walter.

Den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel trennen Welten von den politischen Überzeugungen seines Vaters Walter.

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dapd

Ahrensburg, vor den Toren Hamburgs. Hier, in einer schmucken Seniorenresidenz, lebt der 91-jährige Walter Gabriel. In seinem Arbeitsleben war er Beamter in der Kreisverwaltung Bad Oldesloe. Doch nur im Heim ist bekannt, dass der alte Mann im Rollstuhl der Vater des SPD-Vorsitzenden ist – des Mannes, der vielleicht 2013 Kanzler wird. Besuch von seinem berühmten Sohn bekommt er aber nie. Auch jetzt nicht, nachdem der 52-jährige Politiker zum zweiten Mal Vater geworden ist.

Menschlich und weltanschaulich trennen Vater und Sohn Welten. Denn Walter Gabriel ist ein unbelehrbarer Rechtsradikaler, der die als Nazi-Postille verschriene „National-Zeitung“ abonniert hat. „Ja, die lese ich. Warum auch nicht?“ sagt er zum KURIER. Und einmal in Fahrt, legt er richtig los. Über den Holocaust: „Ich habe daran große Zweifel. Es gibt ja auch berühmte Leute, wie den (Pius-Bruder – d. Red.) Bischof Williamson, die das alles bestreiten. Die können doch nicht alle Unrecht haben?“

„Wir leben hier in einer demokratischen Diktatur."

Sein Sohn ist Chef der größten Oppositionspartei, doch Walter Gabriel hält nichts vom demokratischen System der Bundesrepublik: „Wir leben hier in einer demokratischen Diktatur. Es kommen zu viele Ausländer. Wir lassen alle rein, egal woher sie kommen. Vor allem die, die dann auf unseren Taschen liegen.“

Die Entfremdung vom Sohn scheint ihn dennoch zu grämen „Ich habe dem Jungen doch gar nichts getan... Ich hätte mich gefreut, wenn er noch mal gekommen wäre. Aber: Wenn er nicht will, will ich auch nicht mehr!“ so Gabriel zum KURIER. Im Mai 2005 sahen sie sich ein letztes Mal. Der Graben, der beide trennt, ist tief – und wesentlich älter.

1962, Sigmar war drei Jahre alt, trennten sich die Eltern. Gegen seinen Willen blieb Sigmar beim Vater, wurde von der Oma betreut. 1968 musste Sigmar dem Vater in die Nähe Hamburgs folgen, obwohl die Mutter das Sorgerecht zugesprochen bekam. Der Sohn litt und verzieh das dem Vater nie.

„Ich liege im Sterben“, klagt Walter Gabriel, an einem Tumor im Kopf erkrankt. Doch an Versöhnung denkt Sigmar Gabriel, der bekennende Lutheraner, offenbar nicht. Alle Fragen zu seinem Vater blockt er ab.