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Unschuldig weggeschlossen?: Gustl Mollath. Der Mann, der zu viel wusste

Gustl Mollath im April 2013. Seit Jahren sitzt er womöglich unschuldig in der Psychiatrie

Gustl Mollath im April 2013. Seit Jahren sitzt er womöglich unschuldig in der Psychiatrie

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dpa

Nürnberg -

Fairness. Nicht mehr und nicht weniger verlangt Gustl Mollath für sich. Er verlangt viel.

Die einen halten ihn für einen gewissenhaften Menschen. Und für ein Opfer einer willkürlichen Justiz. Die anderen halten ihn für einen paranoiden Menschen. Und für einen Täter; ihnen zufolge beging er Sachbeschädigung in neun Fällen, Körperverletzung und Freiheitsberaubung an seiner Ehefrau. Die einen werden mehr. Die anderen werden weniger. Jetzt darf Gustl Mollath zweieinhalb Stunden vor dem Mollath-Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag sprechen.

Gustl Mollath (56) ist seit 2006 kein freier Mann mehr. Er befindet sich derzeit in der geschlossenen Abteilung der Forensischen Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth. Es sei dennoch nicht gelungen, heißt es unter www.gustl-for-help.de, "einen Kritiker ohne Lobby über den Missbrauch forensischer Psychiatrie und fachlicher Gutachten mundtot zu machen". Das liest sich wie ein Groschenthriller. Und doch mehren sich die Hin- und Beweise, dass das die Wahrheit ist.

Eine Wahrheit, die so gar nicht in einen Rechtsstaat passt: Ein unbequemer Mensch verschwindet in einer Anstalt für Psychopathen. Eine Wahrheit, die eine Regierungskrise in Bayern ausgelöst hat: Die Opposition spricht von einem "Justizskandal ungeheuren Ausmaßes".

Das Ungeheure reicht zurück in die 1990er Jahre... Gustl Mollath und seine Frau haben keinen Grund zur Klage. Er verdient Geld mit Sportwagen-Tuning, sie als Anlage- und Vermögensberaterin bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) in Nürnberg. Frau Mollath beginnt, sich einen eigenen Kundenstamm aufzubauen und Gelder durch Direktanlage in der Schweiz zu transferieren; sie bringt auch Bargeld persönlich über die Grenze. "Größenordnungen von vielen 100 Millionen DM" sind es nach Aussage von Gustl Mollath. Er hat seine Frau gelegentlich begleitet, vermutet Steuerbetrug und Geldwäsche, bekommt Angst, fordert von ihr, damit aufzuhören. Ohne Erfolg.

Die Mollaths streiten immer öfter. Er sagt: Sie sei manchmal handgreiflich geworden. Sie sagt: Er habe sie geschlagen, gebissen, gewürgt, bis zur Bewusstlosigkeit - am 12. August 2001. Die Ehe zerbricht.

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