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Genie gegen Supercomputer: "AlphaGo": Das Spiel mit der Intelligenz von morgen

Go-Champion Lee Sedol

Begrüßung auf der Videoleinwand: Go-Champion Lee Sedol (l.) und Demis Hassabis, Chef der AlphaGo-Entwicklerfirma DeepMind, bei der Ankündigung des Duells im Februar.

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AP

Seoul -

Ist künstliche Intelligenz uns Menschen schon überlegen? Auch das zweite Duell zwischen Mensch und Maschine im Brettspiel Go gewann die Google-Software AlphaGo gegen einen der weltbesten Spieler, machte Go-Profis sprachlos. Dabei galt das 2500 Jahre alte asiatische Strategiespiel mit seiner gewaltigen Zahl möglicher Spielzüge bisher als zu komplex für Computer. Das Perfide: Die Software wiederholt nicht gespeicherte Spielverläufe, sondern kann selbst dazu lernen und selbst entscheiden. Für Experten ein riesiger und zugleich bedrohlicher Fortschritt...

Nach rund viereinhalb Stunden musste sich der südkoreanische Profispieler Lee Sedol (33) AlphaGo im engen Duell geschlagen geben – zum zweiten Mal. Damit ist der Computer beim Fünf-Spiele-Duell auf dem besten Weg zum Gesamtsieg. Sedol müsste alle drei bis 15. März ausstehenden Matches gewinnen, wenn er die Software noch übertrumpfen will. Was IT-Experte Henrik Klagges von der Münchner Softwarefirma TNG kaum erwartet. „Menschen haben gegen die Software keine Chance. Gewinnt sie nicht in diesem Duell, dann schafft sie es spätestens in drei Jahren“, schätzt er im KURIER. „Menschen werden nicht schneller und schlauer, wie es die Software schafft.“

Im Gegensatz zum Schach ist auf dem Go-Brett mit 361 Feldern eine so gewaltige Zahl von Zügen möglich, dass es selbst für Computer schwierig ist, die Entwicklung des Spiels durchzurechnen. Die Software der britischen Google-Tochter DeepMind wurde zwar auch mit Millionen Go-Partien gefüttert, aber mit ihrem vom menschlichen Gehirn inspirierten künstlichen neuronalen Netzwerk lernt sie blitzschnell dazu und entwickelt sich weiter. „Sie erkennt abstrakte Muster, kann daraus Schlüsse ziehen und ohne Hilfe Entscheidungen treffen. Sie kennt auch sämtliche ,Tricks’“, so Klagges. Eben wie ein strategisch denkender Mensch – der aber millionenfach intensiver lernt und nichts vergisst. Eine Entwicklung künstlicher Intelligenz, die Wirtschaftszweige wie zum Beispiel die Auto- und Rüstungsindustrie grundlegend verändern könnte. „Die Systeme könnten auch Dolmetscher ersetzen und vielleicht muss bald der Arzt mit einer App konkurrieren“, blickt Klagges in die Zukunft. „Bleibt nur die Frage: Wer wird eines Tages diese Systeme kontrollieren?“



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