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Die Tricks der DDR: DEFA-Studio für Trickfilme entstand vor 60 Jahren

Matrosenpuppe Heiner aus dem Puppentrickfilm der ehemaligen DDR «Spielzeugkiste».

Matrosenpuppe Heiner aus dem Puppentrickfilm der ehemaligen DDR «Spielzeugkiste».

Foto:

dpa

Dresden -

Wer das Archiv des Deutschen Institutes für Animationsfilm (DIAF) in Dresden betritt, erlebt Geschichte im Zeitraffer. Im Kellergewölbe des früheren Kameraherstellers Pentacon lagern Schätze aus dem Nachlass des DEFA-Studios für Trickfilme.

Puppen, Zeichnungen, Requisiten und Technik künden von einer Zeit, als etwa 250 Frauen und Männer mit Leidenschaft für ihr Fach ans Werk gingen. Sie schufen Figuren und Filme, die Generationen von Kindern im Osten erfreuten.

Ob nun Jan und Tini, Teddy Brumm oder das lustige Quartett mit Kasper, Brummi, Püppchen Sylvia und Matrose Heiner - die kleinen Helden hatten viele Fans zwischen Rostock und Suhl.

Schon vor der offiziellen Gründung des Studios am 1. April 1955 hatte die DEFA in ihren Studios in Potsdam-Babelsberg Trickfilme gedreht. Erste internationale Auszeichnungen führten zu dem Entschluss, ein eigenes Studio in Dresden zu etablieren.

Die Elbestadt war schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein Filmstandort gewesen. Unternehmer Fritz Boehner produzierte hier mit seiner Industrie-Film AG seit Anfang der 1920er Jahre vor allem Werbefilme, die nicht selten Tricktechniken nutzten.

Boehner ging nach dem Krieg in den Westen. In seine Filmateliers in Dresden-Gorbitz zog 1955 das DEFA-Trickfilmstudio ein.

Offiziell bestand sein Auftrag darin, „ideologisch wertvolle und moralisch einwandfreie Filme zur Erbauung der jungen Generation zu drehen“, erinnert sich die frühere Dramaturgin Sabine Scholze.

Tatsächlich ließen sich die Mitarbeiter meist von ihren eigenen künstlerischen Ambitionen leiten.

Mitunter gerieten sie dabei mit der Zensur in Konflikt. Wenn ein Trickfilm zu abstrakt geriet und damit den sozialistischen Realismus verfehlte, musste nachgebessert werden.

Manchmal half eine andere heilige Maßgabe der DDR nach: War die Planerfüllung in Gefahr, wurden gelegentlich auch abgelegte Filme wieder aus der Schublade geholt und reanimiert.

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