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Der Glücks-Zocker: Bekenntnisse eines Falschspielers

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Maik M. Paulsen (32)

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zvg

Maik M. Paulsen legt stolz eine ganz moderne Version auf den Tisch.

Vergoldete Nussschalen, der Hit zurzeit im Zauberfachhandel für Hütchenspieler, sagt er. Ganz langsam schiebt er die drei Schalen vor mir her, vertauscht die Positionen

„Und wo liegt die Kugel?“, fragt er. Selbstbewusst deute ich auf die Schale in der Mitte. Dort muss sie sein. Von wegen! Rechts liegt das verflixte Ding.

Wäre es jetzt um Geld gegangen, hätte ich ein paar Euro verloren – aber sehr wahrscheinlich ebenso den Ehrgeiz hinzugewonnen, doch zu gewinnen.

So ist das mit dem Glücksspiel. Der Reiz des Nicht-Vorhersehbaren. Des Nervenkitzels und der möglichen Gewinn-Chance. Millionen verfallen dem, spielen Woche für Woche Lotto (ich inbegriffen). Mehr als 200000 Deutsche sind spielsüchtig. Eine der Kehrseiten der Medaille beim Spiel ums Glück.

Und dann gibt es noch Menschen wie ihn: Maik M. Paulsen, Wahlberliner, Unterhaltungskünstler, Hauszauberer im Wintergarten Varieté sowie offizieller Falschspieler.

Für ihn ist das Glück beeinflussbar. Jedenfalls die Karten wie beim Blackjack. Oder die Kugel beim Hütchenspiel.

Er zockt allerdings keine Menschen ab. Er ist aber ein Glücks-Manipulierer.

Würde Paulsen in einem Casino seine Show abziehen, genau bestimmen, wer gewinnt oder wer nicht, und das wäre dann auch so, bekäme er wohl umgehend Hausverbot.
Denn dann könnte man ja denken, dass dort immer das Gewinn-Glück gesteuert wird. Oder ist das vielleicht auch so? „Glaube ich nicht. Wirklich in großen Maßen wird dort nicht betrogen“, sagt er. Das sei viel zu schwer.

Paulsen lässt sich übrigens auch nicht in seine Karten schauen. Seine Tricks, seine Techniken sind geheim. Viele wollten ihn schon enttarnen. „Letztens hat einer meine Brille aufgesetzt, weil er wissen wollte, ob ich die Karten mit einem UV-Stift gekennzeichnet habe und die Gläser das erkennen.“
War nicht zu beweisen. Glück gehabt.

Kann er denn ein bisschen verraten? „Ich habe verschiedene Techniken und Kombinationen. Ich manipuliere Karten und beeinflusse die Leute. Manchmal brauche aber auch ich Glück, dass etwas so passiert, wie ich es wollte.“ Manchmal gelinge es ihm nur haarscharf, manchmal auch nicht. Seine Spiel-Runden dauern zwischen 20 und 30 Minuten. Da kann schnell mal auch etwas Unvorhergesehenes passieren. Er sagt: „Da braucht man schon eine Entspanntheit sowie das Zugeständnis, dass auch mal etwas schiefgehen kann. Im Gegensatz zum Zauberer muss ich nicht perfekt sein.“

Und wie wird man zu einem Glücks-Zocker, der bei Events gebucht wird (www.falschspieler.de), um andere zu betuppen? Er lacht. „Am Anfang bekommen es die meisten gar nicht mit. Sie wundern sich allerdings dann von Runde zu Runde mehr, wie ich das anstelle. Vor allem wissen sie ja, dass ich sie betrüge. Ich sage es ihnen ja auch.“ Aber es sei eben nur Show, keine Abzocke. Wie so manch anderer beim illegalen Hütchenspiel. „Das kann ich bis heute nicht verstehen, warum Menschen dort ihr Geld einsetzen. Es ist offensichtlicher Betrug. Trotzdem fallen immer wieder welche darauf rein.“ Wegen des möglichen Glückhabens halt. Leider.  



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