E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Leipziger Buchmesse 2015: So läuft Speed-Dating zwischen Autoren und Verlagen

Beim Speed-Dating auf der Buchmesse sitzen Autoren mit Verlags-Vertretern an Zweiertischen.

Beim Speed-Dating auf der Buchmesse sitzen Autoren mit Verlags-Vertretern an Zweiertischen.

Foto:

Kielhorn

Leipzig -

Auf der Leipziger Buchmesse 2015, die an diesem Sonntag zu Ende ging, fand zum ersten Mal ein Speed-Dating zwischen Autoren und Verlagen statt. Die Treffen dauerten immer sieben Minuten. Nach dem Klingelzeichen wurde gewechselt. Anders als bei herkömmlichen Single-Treffs ging es allerdings nicht um die große Liebe, sondern um einen Buchvertrag.

Blutüberströmt erscheint ein Mann mitten in der Nacht auf einer Polizeistation. Ein irrer Arzt hat ihm das Herz herausgeschnitten und durch ein Pferdeherz ersetzt. Jetzt kann sich der Mann nur noch durch Wiehern verständigen. Wird es der Polizei trotzdem gelingen, dem kranken Arzt auf die Schliche zu kommen? Das ist in wenigen Sätzen der erste Roman von Jan Will (52) aus Aachen.

Wie „Fünf Freunde“ – aber im Münsterland

Der gelernte Landschaftsgärtner weiß, dass sein Werk ein bisschen spezieller ist. Trotzdem hofft er, dass unter den 22 Buchverlagen (u.a. Ullstein, Editon Oberkassel, Ohne Ohren), die beim „Meet & Greet“-Speed-Dating mitmachen, auch einer ist, der an seinem Erstling Interesse haben könnte. An einzelnen Tischen, die im Raum verteilt sind, sitzen die Verlagsmitarbeiter. Alle sieben Minuten ertönt ein Klingelzeichen und die Jungautoren wechseln die Plätze.

Weitaus weniger blutig als „Der Mann mit dem Pferdeherz“ (Arbeitstitel) ist der regionale Kinderkrimi, den sich die freie Journalistin Anja Stroot (44) aus Münster ausgedacht hat. „Die Münsterland“-Detektive“ soll er heißen und inhaltlich so etwas sein wie die „Fünf Freunde“ von Enid Blyton. Nur ohne Hund. Dafür aber mit Pferden.

Viele Verlagen produzieren für E-Reader

„Wann hat man denn schon mal die Gelegenheit, mit so vielen Verlagsvertretern an einem Tag zu sprechen?“, freut sich Anja Stroot. Diese Gelegenheit möchte auch die slowakische Gedichteschreiberin Eleni Cay (29) nutzen, die heute in London lebt. Ein Freund hat ihre Werke ins Deutsche übersetzt. Ihren ersten Gedichtband hat sie „Schmetterlingsflattern im digitalen Zeitalter“ genannt.

Zumindest der Titel ist sehr modern. Bereits ein knappes Drittel der teilnehmenden Verlage publiziert in rein digitaler Form. Also für E-Reader. Karina Elm (28), die die beiden digitalen Imprint-Sparten Forever und Midnight by Ullstein vertritt, erklärt: „Es ist kein Qualitätskriterium, ob ein Werk digital oder in gebundener Form erscheint. Nach dem Motto: die guten werden gedruckt und die anderen erscheinen nur digital, sondern es geht einzig um die Frage: Wo sind die potentiellen Leser für diesen Bereich?“

Trotzdem ist die Schlange noch immer am längsten bei ihrer Ullstein-Kollegin vom Printsegment. Kristine Kress (38), Programmleiterin Hardcover Belletristik, hat sich in den knapp zwei Stunden, die das Speed-Dating dauert, mit rund 20 Nachwuchs-Autoren unterhalten. Ihr Urteil: „Ich bin begeistert, wie konstruktiv offen die Autoren für Kritik und Anregungen sind.“ Ob bei den besprochenen Werken der nächste Bestseller dabei gewesen sei, lasse sich zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen, so Kristine Kress.

Organisiert hat das Zusammentreffen der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V., dessen Vorsitzender Tobias Kiwitt (35) ein positives Fazit zieht: „Es war ein Pilot-Projekt, das sehr gut angenommen wurde. Fast 90 Interessenten haben sich mit den Verlagsmitarbeitern treffen können“, sagt Kiwitt unserer Zeitung. So soll es bei der nächsten Leipziger Buchmesse bereits eine Neu-Auflage des Speed-Datings geben.

Und wer weiß, vielleicht sind bis dahin schon „Die Münsterland-Detektive“ in Serie gegangen. Oder „Der Mann mit dem Pferdeherz“ hat die Bestseller-Listen erobert...