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Gläubige entsetzt: Pornos aus dem Kirchenverlag

Mit Büchern wie der "Anwaltshure" verdient "Weltbild" für die Katholische Kirche Geld.

Mit Büchern wie der "Anwaltshure" verdient "Weltbild" für die Katholische Kirche Geld.

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blue panther books

Augsburg/Köln -

Sie predigt Keuschheit, wettert gegen die Pille – und macht ein Vermögen mit Porno-Büchern. Neue Enthüllungen stellen jetzt die Katholische Kirche an den Pranger. Und ein Sturm der Empörung geht durch die Schar der Gläubigen.

Grund für die Aufregung ist das teils auf Sex-Kundschaft ausgerichtete Online-Angebot des Augsburger Verlages „Weltbild“, der zu hundert Prozent den deutschen Diözesen der katholischen Kirche gehört.

Jetzt wurde publik, dass dort mehr als 2500 erotische Titel vertrieben werden, darunter vielsagende Machwerke wie „Die Anwaltshure“, „Schlampen-Internat“, „Vögelbar“, „Zur Hure erzogen“, „Nimm mich hier und nimm mich jetzt“ oder „Sag Luder zu mir“.

Weltbild gehört zudem zu einem Drittel das Internet-Portal „buecher.de“ – dort sind Titel wie „Graf Porno“ oder „Porno für Paare“ im Angebot. Experten schätzen, dass solche „Literatur“ Weltbild – und damit der Kirche – Millionen in die Kassen spülte.

Aufgescheucht durch den Wirbel um die sündhafte Lektüre zeigen die Kirchenfürsten plötzlich Initiative. Es gebe „Filtersysteme, die verhindern können, dass solche Literatur vertrieben wird“, so der Münchner Kardinal Reinhard Marx.

Und: „Wir wollen in unseren Verlagen weder Pornografie noch Gewaltverherrlichung. Wenn wir davon hören, gehen wir der Sache nach, und dann wird das unterbunden.“

Dominikus Schwaderlapp, Generalvikar des Erzbistums Köln, sagte jetzt: „Unser Erzbistum drängt seit Jahren darauf, sich sobald wie möglich von der Verlagsgruppe Weltbild zu trennen. Das Erzbistum hat darum 2008 die bis dahin gehaltenen Geschäftsanteile an den Verband der Diözesen Deutschlands übertragen.“

Die Übertragung der Anteile schließe „auch das Gewinnbezugsrecht sowie alle Genussrechte ein, das heißt, das Erzbistum Köln erzielt auch keine Gewinne daraus“.

Viele Katholiken werfen ihren Bischöfen trotzdem Scheinheiligkeit vor, glauben nicht an eine Abkehr vom Sex- und Pornogeschäft. Bernhard Müller, Chefredakteur der katholischen Zeitschrift „PUR“, klagt an: „Seit 30 Jahren hantiert die Katholische Kirche mit Weltbild, seit 30 Jahren ein Geschäft mit Geld und Macht.“

Schon im Frühjahr 2008 habe er alle an Weltbild beteiligten Diözesen über die Geschäfte mit Sexbüchern informiert, das habe aber nichts bewirkt. Seine bitterböse Abrechnung mit der Kirche: „Wozu muss ein Bischof wissen, warum Männer so schnell kommen und Frauen nur so tun als ob?“