Günther Schild, die lustige Schildkröte, Symbol der Bundesschatzbriefe, liegt im Sterben! Der Bund zieht sich aus dem Handel mit den Papieren zurück. Es geht zu Ende mit einer Investition, die drei für den konservativen deutschen Anleger so wichtige Begriffe enthielt: Bund, Schatz, Brief! Der Bundesschatzbrief, von Ehefrauen gerne kommentiert mit: „Dein Bund ist offen, Schatz, und ich kann deinen ,Brief’ sehen!“…
Die „ideale Anlageform für alle, die ihre Nerven nicht mit unnötigen Risiken belasten möchten“ (Webseite der vertreibenden Finanzagentur), für alle, die „ruhig schlafen wollen“, wird eingestampft. Nicht komplett, wohlgemerkt. Bundesschatzbriefe gibt es weiterhin, aber nicht mehr direkt vom Finanzminister, sondern nur noch von der Bank. Und dass Banken gar nicht gut für die Nerven sind, weiß jeder, der zurzeit spanische Bankaktien hält!
Bundesschatzbriefe haben einen so beruhigenden Effekt, dass allein die Erwähnung des Wortes „Bundesschatzbrief“ ausreicht, um auf Investmentbankerpartys die komplette Belegschaft in Tiefschlaf zu versetzen! Sicher, die Rendite ist nicht so der Hammer: Ein Bundesschatzbrief mit sechsjähriger Laufzeit bringt zurzeit 0,51 Prozent. Aber erst nach sechs Jahren (macht ca. 0,08 Prozent im Jahr)! Abzüglich der Inflation verliert man also pro Jahr etwa zwei Prozent. Schläft im Gegenzug aber herausragend!
Neulich kaufte ich einen Schatzbrief, der 17 Prozent Zinsen abwirft. Pro Jahr! Zu spät entdeckte ich, dass die griechische Regierung ihn besichert. Jetzt ist mein Schlaf ruiniert! Und mein Arzt verschreibt mir wieder Bundesschatzbriefe!
Kabarettist Chin Meyer schreibt jeden Mittwoch und Sonnabend im KURIER
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