Freitag, 2. Dezember 2011
Edelhure Alina

Mein Job ist mein Geheimnis: Auch mein Freund weiß nichts

Von Sina Kampe

Bekenntnisse der Edelhure Alina

Nein, ich habe keinen Freund.“ Wie oft habe ich diesen Satz schon gesagt. Wie oft habe ich mit diesem Satz schon gelogen. Kunden dürfen nicht wissen, dass ich eigentlich in festen Händen bin. Auch mein Freund ahnt nichts von meinem Nebenjob.
Wenn ich auswärts „arbeiten“ muss, denkt er, ich bin für meinen Hauptarbeitgeber, ein Pharma-Unternehmen, unterwegs. Ich kenne keinen Mann, der akzeptieren würde, dass seine Frau mit anderen Männern schläft, und sei es nur, um Geld zu verdienen. Müsste ich mich entscheiden – ich würde den Job wählen.

Womit wir bei den Schattenseiten des Geschäfts wären. Jede junge Frau, die sich für Escort interessiert, muss sich einer Sache bewusst sein: Du musst ständig mit einer Lüge leben, da du nicht möchtest, dass dein Umfeld etwas erfährt.

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Das Leben mit der Lüge: Alina lebt es seit acht Jahren.
Das Leben mit der Lüge: Alina lebt es seit acht Jahren.
Foto: zVg

Wenn es doch herauskommt, sind die Reaktionen meist negativ. Am Ende meiner vierten Woche als Escort-Mädchen, das ist jetzt acht Jahre her, sprach ich mit meiner besten Freundin über meinen neuen Nebenjob. Ich erzählte ihr, dass ich bereits mit zwei Männern und einer Frau Sex gegen Geld hatte. Sie war entsetzt und drohte sogar, den Kontakt zu mir abzubrechen, bis ich damit aufhören würde. Da habe ich beschlossen, das Thema besser nicht mehr auszubreiten.

Meine Familie weiß auch nicht, womit ich mein Geld verdiene. Eine eigene Familie zu gründen, kommt ebenfalls nicht infrage, während man als Escort-Lady arbeitet. Noch habe ich sowieso keine Lust auf ein spießiges Leben. Wie ich mich allerdings entscheide, sobald meine biologische Uhr immer lauter tickt, weiß ich heute noch nicht.

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Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine Escort-Erfahrungen mich mein Leben lang prägen werden. Es ist nicht leicht, das Geheimnis zu hüten, aber das gehört wohl dazu. Genauso wie Kunden, die mehr wollen als nur Sex. Einmal hat sich ein Kunde ernsthaft in mich verliebt. „Du bist besser ohne mich dran“, sagte ich ihm. Ich mag es nicht, wenn Männer anfangen, sich mehr zu erhoffen, als ich zu geben bereit bin. Ich wollte und will bis heute nicht mit Escort aufhören. Einen Versuch habe ich zwar mal gestartet, aber der ging ziemlich daneben ...

Nach dem Studium hatte ich das Glück, direkt bei einer Anwaltskanzlei anfangen zu können, die jemanden mit Russisch-Kenntnissen suchte. Ein Fulltime-Job. Für Escort blieb mir keine Zeit mehr und ich hatte die Qual der Wahl. Ich entschied mich für die Kanzlei – zunächst. Nach einer Weile merkte ich, wie unzufrieden ich in meinem normalen, langweiligen Job war. Es fehlte etwas. Der Luxus vielleicht. Also kündigte ich.

Schon bald fand ich neue Arbeit, bei einer Firma, die sich für den russischen Pharma-Markt interessiert. Ich entschied mich gleich, nur vier Tage in der Woche zu arbeiten, um wieder mehr Zeit für meinen Nebenjob zu haben. Ich mag einfach den Lifestyle, den mir einige Kunden ermöglichen, und den ich mir in meinem Alter, mit 32 Jahren, sonst niemals hätte erarbeiten können.

Nur die Anreise ist meistens ziemlich unglamourös. Entweder mit dem eigenen Auto, der Bahn oder dem Flugzeug. Jedoch nicht, wie man so oft liest, per First-Class-Ticket oder im Privatjet. Denn kein Kunde ist großzügig, wenn er nicht dabei ist.

Der Ablauf der Treffen ist meistens ähnlich. Ich erfahre von meinem Chef per SMS, was der Kunde für Wünsche hat, zum Beispiel, was ich anhaben soll. Am Treffpunkt angekommen stelle ich meinen Handy-Wecker auf 15 Minuten vor Ablauf der Zeit (für eventuelle Verlängerungen) und küsse den Kunden. Stammkunden auf den Mund, neue Kunden auf die Wangen. Dann erwähne ich, wie sehr ich darüber nachgedacht habe, wie er wohl sein wird, und gehe in den nächsten Stunden voll und ganz auf seine Wünsche ein.

Nach dem Sex frage ich ihn, ob ich mich ein wenig an ihn kuscheln darf und streichele seine Brust. Danach übergibt er mir das Geld in einem offenen Umschlag. Ich habe von meiner Agentur gelernt, dass es für den Mann sehr angenehm ist, wenn ich, bevor ich mich verabschiede, noch einmal über seine Schultern und Arme, sowie über seine Brust streichele. So kann ich auch feststellen, ob irgendwo Haare oder Schminkreste von mir sind.

Mit einem langen Zungenkuss und einem klischeehaft angewinkelten Bein verabschiede ich mich. Natürlich nicht, ohne ihm noch einmal ins Ohr zu flüstern, wie angenehm ich die verbrachte Zeit doch fand.

Trotz allem sehe ich mich nicht als Hure, viel mehr als Kurtisane. Im Escort geht es nicht nur um Sex, sondern darum, dem Kunden das Gefühl zu geben, dass man ihm auch übers Bett hinaus gefallen möchte.

Aber, und das ist noch eine Schattenseite meines Jobs, in vier Jahren, mit 36, bin ich zu alt für Escort. Dann ist es Zeit, eine Familie zu gründen. Ich werde Deutschland verlassen und mich irgendwo im Süden Frankreichs niederlassen. Dort kenne ich mich dank meiner Tätigkeit schließlich inzwischen sehr gut aus …

Kontakt zu Alina: www.personal-escort.de

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