Samstag, 17. Dezember 2011
Studie belegt

Der alte Knigge ist wieder in

Von A. KOHN und W. TOMSCHEIT

Gute Manieren sind bei jungen Leuten in.
Gute Manieren sind bei jungen Leuten in.
Foto: Patric Fouad
Köln/Bonn –  

Helfen Sie einer Dame in den Mantel? Schalten Sie das Handy vor einem Date auf leise? Benimm ist für 93 Prozent der Deutschen immer noch wichtig.

Zugleich haben mehr als 60 Prozent der von Allensbach für eine Studie befragten Bürger den Eindruck, dass gutes Benehmen in vielen Bereichen des Lebens immer weniger vorhanden ist.

Erstaunlich: Auch junge Menschen legen großen Wert auf die Regeln des alten Knigge. Wir fragten junge Leute, was „gutes Benehmen“ für sie bedeutet.

Bei jungen Leuten ist der alte Knigge

„Gute Manieren sind charmant“

Auch Marie Goedde und Niclas Radermacher legen Wert auf Höflichkeit. Marie (19) freut sich „über eine nette Geste“. Und Niclas (19) gibt sie gerne: „Ich finde gute Manieren charmant ", sagt er und hilft seiner Kommilitonin in die Jacke. Ob manchem Mädchen das vielleicht peinlich ist? Marie jedenfalls nicht. Sie findet daran gar nichts komisch, nimmt die Hilfe gerne an. Und Niclas macht es Spaß, „dem Vorurteil entgegenzuwirken, dass junge Menschen unhöflich sind".

Die Studie mag überraschen. Scheinen doch zu allen Zeiten die Älteren über das mangelhafte Benehmen der Jüngeren zu klagen. „Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen“, beschwerte sich schon etwa 350 vor Christus der Philosoph Aristoteles.

Doch tatsächlich bieten Benimm-Experten inzwischen sogar explizit Kurse für Jugendliche an – und das mit großem Erfolg. Eine ist „Knigge-Trainerin“ Barbara Rumpf. „Die Menschen möchten die Sicherheit haben, sich in allen Situationen angemessen zu verhalten“, sagt sie.

Wichtig sei immer, „dem Gegenüber Respekt entgegenzubringen“. Das öffnet auch beruflich Türen: Gute Manieren kommen nicht nur im Bewerbungsgespräch bestens an, sagt sie, viele Chefs „legen Wert darauf, dass in ihrem Unternehmen ein vernünftiger Umgang mit den Kunden gepflegt wird“, so Barbara Rumpf.

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