Mittwoch, 22. Februar 2012
St. Agnes wird zum Musentempel

Herr König pachtet eine Kirche für seine Bilder

Von Gerhard Lehrke

Johann König und Pfarrer Kotzur haben Grund zur Freude: Einer gewinnt einen außergewöhnlichen Galerieraum, der andere verliert eine Finanzsorge.
Johann König und Pfarrer Kotzur haben Grund zur Freude: Einer gewinnt einen außergewöhnlichen Galerieraum, der andere verliert eine Finanzsorge.
Foto: Lebie
Berlin –  

Sie sah bröckligen Zeiten entgegen, doch der Galerist Johann König und seine Frau Lena wollen sie retten: St. Agnes, eine ehemalige katholische Kirche, wird zum Musentempel.

Der denkmalgeschützte Bau an der Alexandrinenstraße ist nicht gerade die einladendste Kirche der Stadt: Nahezu fensterlos, schmucklos und grau, ist sie ein Beispiel für Brutal-Architektur der 60er Jahre.

Die 1967 geweihte Kirche entstand nach Plänen des Architekten und Senatsbaudirektors Werner Düttmann.
Die 1967 geweihte Kirche entstand nach Plänen des Architekten und Senatsbaudirektors Werner Düttmann.
Foto: Lebie

2005 gab die katholische Kirche das Gebäude mangels Gläubigen auf, die Gemeinde gehört jetzt zu St. Bonifatius in der Yorckstraße. St. Agnes wurde an eine Freikirche vermietet. Doch die Kosten für die Erhaltung und notwendige Sanierung deckte das nicht. Da sprang die „St. Agnes Immobilien- und VerwaltungsgesellschaftmbH“ ein, mit dem Ehepaar König als Geschäftsführern. Für einen (geheimen) Preis erwirbt sie Kirche und Nebengebäude in Erbpacht.

Galerie-Mitarbeiter Gregor Hose: „Wir werden die eigentliche Kirche mit 800 Quadratmetern für die Galerie nutzen.“ Die ehemaligen Wohnungen und der Gemeindesaal sollen an Gastronomie und Kreativwirtschaft vermietet werden. Die Kita bleibt.

Was aus alten Kirchen geworden ist

Bildergalerie ( 5 Bilder )

Johann König (30, entstammt einer Kölner „Kunst-Familie“), dessen Galerie jetzt in der Kreuzberger Dessauer Straße residiert, will das Haus in einem guten Jahr eröffnen.

Die Gemeinde hat derweil ein „Luxusproblem“, sagt Pfarrer Ulrich Kotzur: „Eine Orgel zu viel.“ Über den Wuppertaler „Gebrauchtorgelhandel“ Ladach ist die Stockmann-Orgel aus St. Agnes zu verkaufen.

Sie ist fast neu (1992), total in Ordnung und macht was her: Sie hat 29 Register für eine große Klang-Breite. Man braucht nur ein wenig Platz (neben 98 000 Euro für den Kauf), weil sie 9,80 Meter hoch, 5,56 Meter breit und 3,20 Meter tief ist ...

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