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Sonntag, 5. August 2012

Katharina aus Berlin: So wollten mich die Popstars knebeln

Von MARCUS BÖTTCHER

Britz –  

Katharina Luttner hatte beste Chancen, die aktuelle „Popstars“-Staffel zu gewinnen. Mit ihrer Stimme verzückte sie die Jury, mit ihren Tanzeinlagen eroberte sie die Fans. Jetzt ist alles aus – weil die 19-jährige Katharina einen Vertrag unterschreiben sollte, der ihre Schulausbildung gefährdet hätte.

Die großen Augen schauen traurig, die Stimme bebt. Katharina ist die Enttäuschung anzumerken. Sie musste ihren Traum von der großen Bühnenkarriere (vorerst) aufgeben. „Ich konnte den mir vorgelegten Vertrag nicht unterschreiben. Ich hätte mir meine Zukunft versaut“, sagt die Britzerin, die jahrelang Mitglied des Kinderensembles im Friedrichstadtpalast war.

Was aber steht drin in dem geheimen Schriftstück? Glamour, Ruhm und Reichtum findet man jedenfalls nicht. Eher könnte einem das Wort „Knebelvertrag“ in den Sinn kommen...

„Die exklusiven Rechte an der Person und Persönlichkeit des Vertragspartners“ liegen bei der Produktionsfirma Tresor TV. Bis zum 31. Dezember. In dieser Zeit hätte Katharina zur Verfügung stehen müssen. Nur: Am Montag beginnt die 19-Jährige ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Wellness und Beauty. Sie wollte in den Popstars-Vertrag aufnehmen, dass sie von ihren „Popstars“-Pflichten freigestellt wird, wenn dies ausbildungsbedingt erforderlich sei. Tresor TV ist nicht darauf eingegangen.

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Verwunderlich? In dem Vertrag heißt es: „Zweck des vorliegenden Vertrages ist insbesondere, dass der Produzent in größtmöglichem Umfang und vor allem exklusiv über sämtliche Rechte des Vertragspartners (...) verfügen kann.“

Thema Geld: Während der Show gibt es kein Honorar. Für die ersten Aufnahmen als Gruppe oder Einzelkünstler würden die Gewinner lächerliche 5000 Euro bekommen. Werden Werbeeinnahmen von den Nachwuchs-Musikern erzielt, erhalten diese zehn Prozent davon – als Gruppe mit vier Personen jeder also lediglich 2,5 Prozent. Für diese mickrigen Einkünfte hätte Katharina das OSZ Körperpflege schmeißen müssen.

Die Geheimhaltung: Sämtliche im Zusammenhang mit der Produktion stehenden Informationen müssen, insbesondere gegenüber der Presse und dem Rundfunk, geheim gehalten werden. Sonst droht eine Strafe von mindestens 5000 Euro.

Katharina zog den Schlussstrich, unterschrieb nicht. Obwohl selbst Jury-Mitglied Detlef D! Soost bei ihr durchklingelte und zum Mitmachen überredete. Doch die Schule ist ihr wichtiger. „Ich muss doch was für mein Leben in der Hand haben, eine Ausbildung vorweisen können.“

Und was sagt die Produktionsfirma selbst? Holger Roost, Geschäftsführer von Tresor TV: „Wir stellen es jedem Kandidaten absolut frei, seine eigenen Prioritäten abzuwägen. Wir hätten Katharina gerne dabei gehabt, sie hat sich aber für ihre Ausbildung entschieden. Wir wünschen ihr alles Gute.“

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