Es gibt Dinge zwischen Firmament und Asphalt, die kann man nicht erklären. „Das Leben ist wie ein Stadtplan. Ich kann Punkte angeben, wie der Mensch hier oder dorthin kommt, aber wie schnell oder langsam, bestimmt er selbst.“
Gabrielle Hoffmann sieht von ihrem Schreibtisch auf. In diesem Lederstuhl ihr gegenüber saßen Hildegard Knef, Roy Black, Curd Jürgens. Sie hörten der Wahrsagerin zu. Günther Pfitzmann rannte aus dem Raum. Es ist ein rotes Zimmer mit schweren Vorhängen unweit des Kudamms.
An der Wand hängen Porträts ihrer Ur- und Großmütter. Die Gabe liege in der Familie, sagt sie. Eine wurde durch Schock hellsichtig. Zwei legten Karten. Die andere besprach Gürtelrosen und Warzen. „Rose, Rose weiche!“ Die Gabe gehe von Frau zu Mann zu Frau. Nur Papa sagte: Quatsch!
Gabrielle Hoffmann wurde 1954 in Schöneberg geboren und wuchs in Kreuzberg auf. Sie klaute Oma die „Zauberkarten“ – „damit kann ich wahrsagen, dachte ich.“ Mit neun Jahren hatte sie Visionen. „Das war so normal wie Radfahren.“ Erst als die anderen Kinder, Eltern, Lehrer darauf reagierten, „wusste ich, dass es etwas besonderes war.“
Sie lernte Krankenschwester, aber die Gabe kam immer dazwischen. „Dann standen Leute vor der Tür, die ihr Schicksal wissen wollten.“ Sie meldete den Beruf an – und ist bis heute die einzige bei der IHK geführte Wahrsagerin.

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