Springlebendig wie Angus Young, saitenbeißend wie Jimmy Hendrix, zärtlich zupfend wie Carlos Santana – und das alles ohne Gitarre. Christian Sweep aus Neukölln ist Deutscher Meister im Luftgitarre-Spielen. Der 37-Jährige rasierte im Schöneberger „Club Ex’N’Pop“ zehn andere Finalisten und fährt nun für Deutschland zur WM in Finnland.
Sweep, Sohn einer hessischen Diskothekenbesitzerin und eines niederländischen Stockcar-Fahrers, lebt von seinen Luftgitarre-Auftritten in Clubs und Varietés. Selbstbewusst und mit künstlerischer Raffinesse verrät er sein Erfolgsgeheimnis: „Es ist die besondere Gabe, die bloße Imitation zu transzendieren, und das Luftgitarrenspiel zu einer eigenen Kunstform zu erheben“.
Es scheint zu funktionieren. Am Samstagabend wurde er bereits zum fünften Mal Deutscher Meister, viele Juroren zogen im Finale ihre Schilder mit der Höchstpunktzahl 5,9. Berechtigt also, dass sich Sweep selbst als „deutsche Luftgitarrenlegende“ bezeichnet. Die echten E-Gitarren, die er als Preise für seine Meistertitel kassierte, werden übrigens nicht mehr gespielt. Sie hängen beim „Meister“ an der Wand. Aus guten Grund: „Bei meinem Vater, einem Waffennarren, waren da Waffen. Es ist ein schönes Symbol, wenn ich nun Gitarren zeige.“ So zeigt Sweep, dass er das Motto des Luftgitarren-Bundesverbandes längst verinnerlicht hat. Die wahren Luftgitarristen spielen schließlich um nichts Geringeres als den Weltfrieden.
MBÖ

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