Zweimal darf er noch ausschlafen, dann muss er ran. Während der 62. Berlinale (9. - 19. Februar) wird Dieter Kosslick selten mehr als vier Stunden am Tag zur Ruhe kommen. KURIER-Reporter Karim Mahmoud stellte dem 63-jährigen Festival-Guru die letzten wichtigen Fragen.
BERLINER KURIER: Was wird in diesem Jahr anders?
Dieter Kosslick: Das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße 24 wird während der Berlinale in ein Kino verwandelt. Dieses berühmte Gebäude von 1963 ist mit viel Geld des Kulturstaatsministers Bernd Neumann renoviert worden. Dort eröffnen wir mit dem Regie-Debüt von Angelina Jolie, ein großartiger Auftakt.
Wird Jolie selbst an der Diskussion teilnehmen? In ihrem Film geht es um ein Frauenlager im Jugoslawien-Krieg ...
Sie hat zugestimmt und möchte darüber auch nach dem Film mit dem Publikum sprechen.
In diesem Jahr geht’s um Aufbrüche, Umbrüche, um Rechtsextremismus. Warum?
Das kann man nicht immer so bestimmen. Wir sitzen ja nicht hier und sagen, wir wollen was über Rechtsradikale machen, weil es Rechtsradikale gibt. Sondern man schaut: Welche Filme stehen uns zur Verfügung? Haben die Filme was mit der Realität zu tun? Aber das muss übrigens nicht sein. Wir können auch einen Film spielen wie „Bel Ami“, wo Robert Pattinson und Uma Thurman kommen. Aber natürlich muss ein Filmfestival dieser Dimension auch die Wirklichkeit spiegeln. Und nun ist es einmal so, dass unsere Welt im Um- und Aufbruch ist – und zwar nicht nur aufgrund der Finanzsituation, sondern auch kulturell. Denken Sie an den Arabischen Frühling.
Bei welchem Weltstar werden Sie Herzklopfen haben?
Es gibt ja einige, wo man Herzklopfen bekommen kann, aber ich finde natürlich unsere Ehrenpreisträgerin Meryl Streep wunderbar. Das wird bestimmt ein Abend, wo nicht nur mein Herz höher klopft.
Jake Gyllenhaal sitzt in der Internationalen Jury. Mussten Sie lange betteln?
Viele Leute haben gesagt, das ist ein ganz toller Typ, den solltest du mal nach Berlin holen, und durch gemeinsame Freunde haben wir ihn dann überredet. Ich glaube, er hat sich auch noch mal schlau gemacht über mich, wir kennen uns nämlich noch nicht persönlich.
Ihre Tipps gegen die sibirische Kältepeitsche ...
Ich mache folgendes: Morgens trinke ich heißen Ingwer-Tee mit Zitrone, das gibt einem schon mal ordentlich Abwehrkräfte. Außerdem – ich bin ja Vegetarier – meine ich, dass man als Vegetarier besser da durch kommt, weil man so viele Vitamine zu sich nimmt.
Zwei Dinge sollte man noch machen: Man sollte einen Schal anziehen und eine Mütze oder einen Hut aufsetzen. Und wenn das jemand nicht hat – wir haben ganz tolle Mützen und Schals im Berlinale-Shop, da kommt man garantiert gut durch die Kälte. Und jetzt noch „the good news“: Die Berlinale heizt alle ihre Kinos, seit 62 Jahren, also rein und aufwärmen!

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