Einer der vielen Gabenzäune in Berlin: Einer davon soll jetzt leer geräumt worden sein. Foto: .: Robert Michael/dpa

Bei Twitter kocht derzeit ein Streit über die Räumung eines Berliner Gabenzauns hoch: Die Spenden sollen Obdachlose unterstützen, die es gerade besonders schwer haben. Ausgerechnet in einer Zeit, in der zur Solidarität aufgerufen wird, wurde der Zaun in Neukölln von einem Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung geräumt. Offenbar durch ein Versehen.

Bilder bei Twitter zeigen ein Fahrzeug der Berliner Stadtreinigung und einen Gabenzaun, der kurz danach leer ist. Darunter kommentierte ein Nutzer: „Bezirksamt Neukölln zeigt Engagement fürs Ehrenamt in Corona-Zeiten und lässt am gleichen Tag durch die BSR (Anm. der Redaktion Berliner Stadtreinigung) Gabenzäune räumen.“ Delikat: Nur wenige Stunden vorher hatte das Bezirksamt in einer Pressemitteilung, zu finden auf Berlin.de, versprochen, 10 000 Euro für Sachmittel, die für die ehrenamtliche Arbeit benötigt werden, bereitzustellen. „Wir stehen in Neukölln jetzt zusammen. Trotz aller Einschränkungen ist solidarische, nachbarschaftliche Hilfe möglich – und dringender denn je“, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD).

Wie kam es zu der Räumung des Gabenzauns?

Doch wie kam es überhaupt zu der Räumung des Gabenzauns? Bei Twitter heißt es so: Der Mitarbeiter der BSR soll sich auf Nachfrage geäußert haben, dass er im Auftrag des Ordnungsamtes gehandelt habe. Doch dem hielt Martin Hikel dagegen. Er antworte bei Twitter: „In unserem System ist die letzte Meldung aus der Herrfurthstraße vom 17.02. (Sperrmüll). Insofern lässt sich die Aussage des BSR-Mitarbeiters gerade nicht nachvollziehen. Gabenzäune werden nicht vom Ordnungsamt abgeräumt", schrieb er.

Der KURIER fragte auch offiziell bei der BSR und beim Ordnungsamt Neukölln wegen der Veranlassung der Räumung und erfuhr kurz vor Redaktionsschluss: „Uns war bislang nicht klar, dass es sich um eine Solidaritätsaktion für Obdachlose handelte“, teilte BSR-Specher Sebastian Harnisch mit. Im Rahmen ihres Auftrags hätten die Beschäftigten eine Beräumung vorgenommen. „Dieses Missverständnis tut uns leid“, so Hanisch weiter. Der Zaun soll aber laut Aussagen der Nachbarschaftshilfe Neukölln bereits mit neuen Spenden bestückt sein.